8. September: UNESCO Welttag der Alphabetisierung
Der Welttag der Alphabetisierung erinnert alljährlich daran, dass Bildung ein Menschenrecht ist. Leider ist das auch heute noch ein Wunschdenken. Rund 754 Millionen Menschen weltweit können nicht lesen und schreiben. Sie sind Analphabeten. Armut, Kriege und Krisen weltweit verschärfen die Problematik.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:
- Es wird in drei verschiedene Arten von Analphabetismus unterschieden. Zum Beispiel hat eine Person nie Lesen und Schreiben gelernt, sie hat Gelerntes wieder vergessen oder sie kann nur ganz einfache Sätze verstehen und somit den Alltag nicht ohne Hilfe meistern.
- Der Hauptgrund für Analphabetismus ist die Armut, vor allem im südlichen Afrika und in Teilen von Asien. Indien steht mit 37 Prozent Analphabeten an der Spitze der Länder mit erschwerter Bildungsmöglichkeit.
- Der Schweizerische Dachverband Lesen und Schreiben unterstützt Lernwillige.
- Die Krisen weltweit verschlimmern das Problem, da viele Menschen auf der Flucht sind und ihrer Bildung nie oder nicht mehr nachgehen können.
Welche Arten von Analphabetismus gibt es?
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Primärer Analphabetismus: Eine Person hat nie Lesen oder Schreiben gelernt
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Sekundärer Analphabetismus: Einmal Gelerntes wurde wieder vergessen.
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Funktionaler Analphabetismus: Die Kenntnisse sind niedriger, als im Alltag nötig wäre. Betroffene können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte, auch wenn sie kurz sind.
Was sind die Gründe für Analphabetismus
Die Gründe für Analphabetismus sind vielfach Armut. Bildungsmöglichkeiten fehlen, da die Familie das Schulgeld nicht aufbringen kann. Viele Kinder müssen bereits früh mitarbeiten, um das Familieneinkommen zu sichern. Entlegene Wohngebiete tragen ebenso dazu bei, dass Kinder keine Schule besuchen können. Weltweit dürfen viele Mädchen und Frauen nach wie vor nicht zur Schule gehen. Die Krisen und Kriege verschärfen die Problematik. Besonders betroffen sind Menschen in Afrika südlich der Sahara und in Teilen von Asien. Allein in Indien haben 37% der Menschen keine Schulbildung. In Indien sind die Gesellschaftsschichten in Kasten eingeteilt. Je nach Zugehörigkeit ist entweder eine überaus gute Schulbildung mit Studium möglich oder gar keine.
Wie geht die Politik mit dem Thema um?
In der Schweiz verfügen etwa 15% der Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren über geringe Fähigkeiten in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen. In Deutschland sind es 12%, das entspricht etwa 10 Millionen Menschen, die nicht ausreichend lesen und schreiben können. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die internationale Gemeinschaft immer wieder dazu bekannt, die Alphabetisierung vor allem bei Erwachsenen zu fördern. Bereits auf der Weltkonferenz der UNESCO 1990 war „Bildung für alle“ ein Thema. Zu den Zielen gehört die Förderung des Zugangs zu Alphabetisierungs-Programmen für alle Altersgruppen. 2015 hat sich die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2030 den Erwerb ausreichender Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeit für alle Jugendlichen und Erwachsenen sicherzustellen. Doch die bisherigen Verbesserungen sind heute noch unzureichend und die gesteckten Ziele scheinen in diesem Zeitraum unerreichbar.
In vielen Ländern werden gezielt Programme angeboten, um Betroffene zu unterstützen. In der Schweiz tut dies der Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben.
Funktionaler Analphabetismus
Menschen, die nicht ausreichende Fähigkeiten im Lesen und Schreiben haben, sind aufgrund ihrer begrenzten schriftlichen Ausdrucksfähigkeit nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzunehmen. So haben sie unter anderem Mühe, ein Formular zu verstehen und auszufüllen. Sie verstehen häufig nicht, wie sie Tabletten einnehmen sollen und schon gar nicht, was auf dem Beipackzettel mit den Nebenwirkungen steht. Schilder mit schriftlichen Warnungen werden zur Hürde. Die Betroffenen sind auch nicht fähig, eine Bewerbung zu schreiben. Der Alltag stellt sie ständig vor neue Herausforderungen. Im beruflichen Umfeld können sie nur Arbeiten ausführen, die kein Lesen und Schreiben erfordern. Häufig finden sie daher auch keine Arbeit. Dramatisch wird es in Familien, in denen die Eltern Analphabeten sind. Sie verstehen häufig nicht, was ihr Kind in der Schule tut. Wenn ihr Kind eine schriftliche Nachricht nach Hause bringt, vor allem im Kindergarten, können sie nicht verstehen, was zu tun ist. Sie müssen sich Hilfe holen – häufig wird das aber nicht getan und es entstehen Probleme mit der Schule.
Flüchtlinge und Asylsuchende
Die Zahl der Flüchtlinge mit Schreib-, Lese- und Rechenschwäche ist seit einigen Jahren angestiegen. Beim Unterstützungsbedarf muss man unterscheiden zwischen primären Analphabeten, das sind Menschen, die auch in der Muttersprache kaum lesen und schreiben können, und denen, die eine zweite Sprache erlernen. Dabei handelt es sich oft um Menschen, deren Schreibsprache nicht auf unserer lateinischen Schriftform aufgebaut ist. Darunter sind viele junge Männer, die aus Kriegsgebieten kommen und wegen dem Krieg keine Schule besuchen konnten oder die Schule wegen der Flucht unterbrechen mussten.
Der Welttag der Alphabetisierung wurde von der UNESCO anlässlich der Weltkonferenz im September 1965 in Teheran ins Leben gerufen. Er soll dazu beitragen, das Ziel der weltweiten Alphabetisierung nicht aus den Augen zu verlieren.
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