Die Geschichte des Papiers
Die Menschen hatten schon früh das dringende Bedürfnis Informationen in schriftlicher Form festzuhalten und weiterzugeben. Sie suchten nach Trägern, die ihnen das ermöglichten. Heute ist Papier allgegenwärtig. Papier begleitet die Menschen seit mehr als 5000 Jahren. Die Erfindung des heute üblichen Papierherstellungs-Verfahrens soll geschichtlichen Quellen zufolge aus China stammen.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:
- Der Name Papier leitet sich aus Papyrus ab, ein Schilf, das am Nil in Ägypten wuchs.
- Die Geschichte sagt, dass der Ursprung des heute verwendeten Papiers aus einem wassergebundenen Verfahren 105 n. Christus in China erfunden wurde.
- Dieses Herstellungsverfahren gelangte über Asien und den Orient im 12. Jahrhundert nach Europa.
- Um 1840 setzte sich die Herstellung aus Holzfasern durch.
- Ab 1860 wurden Maschinen entwickelt, welche die handwerkliche Tätigkeit der Papier-Herstellung schrittweise automatisierten.
- Die Weiterentwicklung aus Holz erlebte einen starken Aufschwung. Gleichzeitig wurden die bis dahin giftigen Bleichverfahren, um weisses Papier herzustellen, umweltgerechter gelöst.
- Heute gibt es rund 3000 verschiedenen Papierarten.
Papyrus
Der Name Papier leitet sich von Papyrus ab. Im antiken Ägypten wurden vermutlich bereits seit dem 3. Jahrtausend vor Christus die ersten Papyri als Beschreibstoff hergestellt. Papyrus-Schilf wächst am Nil, es kann bis zu 5m hoch werden. Das Schilf wurde so lange gepresst, bis der austretende Pflanzensaft die Papyrusstreifen fest miteinander verklebte. Nach dem Trocknen entstand ein Papier mit einer rauen, unebenen Oberfläche und einer gelblichen Farbe. Es konnte nicht gefaltet, aber gerollt werden. Der Name Papyrus kommt vom alt-ägyptischen Wort „pa-per-aa“ und bedeutet „im Besitz des Pharaos“. Es zeigt auf, wie wertvoll Papyrus zu jener Zeit war. Die Erfindung des bis heute üblichen, wassergebundenen Papierherstellungs-Verfahrens fand jedoch erst ab etwa 105 n. Chr. statt und geht auf die Chinesen zurück.
Papier aus China und seine Weiterverbreitung
Ein Würdenträger des chinesischen Kaiserhofs mit dem Namen Cai Lun begann 105 n. Christus Papier nach einem neuen Verfahren herzustellen. Dazu wurden Seidenabfälle, teilweise auch einfache Lumpen alter Kleider und Stoffe aus Pflanzenfasern (synthetische Stoffe wie z.B. Polyamid kannte man damals noch nicht) durch Stampfen, Kochen in Wasser und Entwässern zu einem Brei vermischt. Der Brei wurde abgeschöpft und getrocknet. Ab 751 n. Chr. verbreitete sich diese Art der Papierherstellung in der arabischen Welt. Lumpen aus Hanf- und Leinenfasern waren dort meist die Rohstoffe, aus denen Papier entstand.
Das Wissen der Papierherstellung mit dieser Technik gelangte über asiatische Länder, wie Japan, wo schwimmende Schöpfsiebe erfunden wurden, zunächst in den Orient. Hier entstanden bis ins 10. Jahrhundert vor allem in den Städten Bagdad, Damaskus und Kairo Zentren der Papierherstellung. In Europa kam diese Art der Papierherstellung erst ab dem 11. Jahrhundert an, mit dem kriegerischen Überfall der Araber auf Sizilien und Spanien. In Europa wurde zu dieser Zeit Pergament für wichtige Dokumente eingesetzt. Mit der Auswanderungswelle über das Meer um die 1690 erreichte die Papierherstellung auch Amerika.
Pergament
Pergament ist eine nur leicht bearbeitete, nicht gegerbte Tierhaut. In westlichen Ländern wurde es seit dem Altertum als Beschreibstoff verwendet und ist somit ein Vorläufer des Papiers. Tierhäute von Kälbern, Ziegen und Schafen werden dazu enthaart und eingeweicht und zur Lufttrocknung auf einen Holzrahmen aufgespannt. Zur Herstellung von Leder werden die Tierhäute gegerbt und nicht getrocknet. Schriften auf Pergament waren sehr teuer. Eine Zeitlang durften nur Mönche darauf schreiben.
Wie entstand weisses Papier
Ein Chemiker und französischer Graf experimentierte mit chlorhaltigen Bleichmitteln. 1792 wurde das im französischen Ort Javel hergestellte Eau de Javel (Javelwasser) als Bleichmittel verwendet, das bis heute ein beliebtes Bleich- und Desinfektionsmittel ist. Durch den grossen Papierbedarf führte das Bleichen mit diesen giftigen Chemikalien zu einer grossen Belastung der Abwässer, sodass die Papierhersteller 1980 umweltfreundlichere Bleichverfahren einsetzen mussten.
Papier aus Holz
Da das beschränkte Angebot an Lumpen im 18. Jahrhundert durch den blühenden Buchdruck und das Zeitungswesen den rasch ansteigenden Papierbedarf nicht mehr decken konnte, mussten neue Materialien gefunden werden. Ein Versuch zeigte, dass sich Holz als besonders geeignet erwies. Der Erfinder Friedrich Gottlob Keller entwickelte 1843 das Holzschliffpapier, das aus einer Mischung aus feinem geschliffenem Holz und Lumpen bestand. Mit der Erfindung des Holzschleifers wurde wenige Jahre später die maschinelle Herstellung von Holzschliffpapier ermöglicht und weiter automatisiert. Für die Herstellung von Papier aus Holz können sowohl Laub- als auch Nadelhölzer verwendet werden.
Heute gibt es weltweit über 3000 verschiedene Papierarten: Papiere für den Drucker, Foto- und Farbpapier, Plakatpapiere usw. Die Weiterentwicklung von Papier geht auch heute fortlaufend weiter. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Veredlungstechniken. Heute lassen sich magnetische, wasser- und feuerfeste Papiere herstellen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich das Papier in der Zukunft entwickelt.
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