Die Strasse von Hormus
Seit dem Beginn des Angriffes auf den Iran durch Israel und den Vereinigten Staaten von Amerika ist eine schmale Meeresenge im Persischen Golf immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Man hört immer wieder Berichte, dass die Strasse von Hormus faktisch zum Stillstand gekommen ist und dass dies schwere Folgen für die Wirtschaft auf der ganzen Welt haben könnte. Die aktuelle Blockade durch den Iran soll nämlich globale Lieferketten und die weltweite Energieversorgung gefährden. Doch was bedeutet das eigentlich?
Die Meeresenge
Die Strasse von Hormus ist eine schmale Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer im Osten verbindet. Sie liegt eingeklemmt zwischen dem Iran im Norden und dem Oman sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten im Süden. An ihrer engsten Stelle ist sie nur knapp 33 Kilometer breit. Doch die tatsächlichen Schifffahrtswege, welche für die heutigen riesigen Transportschiffe benötigt werden, sind noch um einiges schmaler. Diese geographische Enge macht sie zu einem so genannten „Chokepoint“ oder Flaschenhals. Wenn dort also der Weg versperrt wird, können keine Schiffe mehr durchfahren. Das ist ein grosses Problem, denn fast der gesamte Schiffsverkehr der grossen Ölproduzenten wie Saudi-Arabien, Kuwait und Katar muss dort durchfliessen.
Die Folgen für den Welthandel
Da Erdöl auch heute noch eines der wichtigsten Rohstoffe der Welt ist, kann die Bedeutung dieser Wasserstrasse für die Weltwirtschaft kaum überschätzt werden. Über Jahrhunderte hat sich dieser Weg zum Herzstück des weltweiten Energiehandels entwickelt. Etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung passieren diesen Flaschenhals täglich. Doch nicht nur Öl, sondern auch ein signifikanter Anteil des verflüssigten Erdgases (LNG) müssen durch diese Meerenge. Ein Ausfall dieser Lieferungen führt auf der ganzen Welt zu massiven Preissprüngen von Benzin, in der Industrie und längerfristig auch von ganz vielen anderen Produkten. Doch es geht um mehr als nur Energie. Denn ein Drittel des weltweiten Handels mit Düngemitteln wird auch durch die Strasse von Hormus verschifft. Deshalb kann eine Blockade auch weltweit einen grossen Einfluss auf Lebensmittelpreise haben und besonders ärmere Länder gefährden. Diese sind nämlich auf bezahlbare Ernten angewiesen.
Die aktuelle Lage
In den letzten Wochen hat sich die Situation an der Strasse von Hormus zugespitzt. Der Iran hat die Durchfahrt für Schiffe fast komplett gesperrt, nachdem Israel und die USA das Land vor etwas mehr als zwei Wochen angegriffen haben. Zuverlässige Informationen über die aktuelle Lage zu erhalten ist jedoch sehr schwierig, denn die beteiligten Länder berichten unterschiedliche Dinge. So ist es fast unmöglich, eine völlig unabhängige Einschätzung der aktuellen Lage zu erhalten. Klar ist aber, dass die Schiffe grosse Angst haben und die Kosten für den Transport jetzt schon extrem gestiegen sind. Donald Trump behauptet zwar, dass der Krieg bald endet und die Durchfahrt von den Iranern nicht mehr lange behindert werden kann. Momentan scheint das aber eher unwahrscheinlich, solange der Krieg noch andauert. Trotzdem kann man weiterhin nur hoffen, dass die Angriffe doch bald wieder enden und die beiden Seiten einen diplomatischen Weg finden, um diesen Krieg zu beenden, bevor der angerichtete Schaden noch grösser wird.
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