Sowohl Kinder als auch Erwachsene schauen zu, wie ein junger Golfer auf einem Golfplatz einen Putt spielt.
Hans Peter Stauffer

Erlebnisbericht: Kinder der Welt Teil 6

13.01.2026
Hans Peter Stauffer
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Soraya ist im vergangenen Juli 13 Jahre alt geworden. Sie wohnt mit ihrer älteren Schwester und den Eltern in einem Weiler in der Nähe der marokkanischen Stadt Sidi Kacem.

Das Wichtigste in Kürze

Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:

  • Soraya aus Sidi Kacem in Marokko.
  • Ein Mädchen vom Land mit klaren Ideen.
  • Sie wird die Militärschule besuchen.

Sorayas Zuhause auf dem Land

Soraya ist im vergangenen Juli 13 Jahre alt geworden. Sie wohnt mit ihrer älteren Schwester und den Eltern in einem Weiler in der Nähe der marokkanischen Stadt Sidi Kacem. Im Dorf leben rund 20 Familien in ärmlichen Verhältnissen. Die Häuser sind aus Lehm und Holz gebaut, die Dächer aus Schilf und Wellblech. Die Strassen sind nicht asphaltiert und in der Regenzeit verwandelt sich die knapp 400 Meter lange Piste bis zur Hauptstrasse in ein Schlammfeld.

Wo Familie wichtiger ist als Besitz

Der Weiler wurde damals von Landarbeitern errichtet, die in den nahegelegenen Gütern der Grossgrundbesitzer beschäftigt waren. Sorayas Grossvater fuhr Traktor für einen Verwandten des marokkanischen Königs. Die Grosseltern hatten sechs Kinder, der zweitjüngste ist Sorayas Vater. Auch er arbeitet auf dem Land. Früher, als er jung war, hütete er über 100 Schafe. Doch aufgrund der Trockenheit gibt es heute kaum noch Tiere im Dorf. Die Eltern von Soraya haben auf dem hinteren Teil des Grundstücks der Grosseltern ihr eigenes Haus gebaut. Ein grosser Innenhof führt zu zwei Schlafzimmern, einem Wohnraum, einer Küche und einem einfachen Badezimmer. Im Haus gibt es Elektrizität, aber kein fliessendes Wasser. Das Wasser wird vom nahen Brunnen geholt. Die Regierung wollte zwar Wasserleitungen für alle einrichten, doch das hätte bedeutet, dass die Bewohner*innen dafür bezahlen müssten. Wasser vom Brunnen ist hingegen gratis. Die Bewohner*innen des Weilers sind arm und sparen, wo sie können. Dank der Nähe der Grosseltern sind Soraya und ihre Schwester meistens bei ihnen, denn dort gibt es mehr Platz und es ist immer viel los, da sie eine grosse Familie mit vielen Cousins und Cousinen sind. Das gemeinsame Essen findet sie immer toll. Es gibt dann einen speziellen Tisch für die Kinder, und alles schmeckt besonders gut, und die Kinder haben viel Spass.

Ein Traum in Uniform

In den ersten Schuljahren musste Soraya noch zu Fuss zur Schule gehen, oder ihr Grossvater brachte sie und ihre Schwester mit dem Motorrad hin. Heute werden sie und alle anderen Kinder des Weilers von einem Schulbus abgeholt und nach Schulschluss wieder nach Hause gefahren. Das ist natürlich viel einfacher für alle!

Der Unterricht findet jeweils von 8 Uhr bis 15 Uhr statt. Für die Pausen nimmt Soraya sich immer etwas Kleines von zu Hause mit und trinkt Wasser, das von der Schule gratis abgegeben wird. Am liebsten hat sie Mathe und Sport.

An der Hauptstrasse von Sidi Kacem in der Hauptstadt liegt eine wichtige Militärkaserne. Daher sind auch immer wieder Soldaten in der nahen Stadt präsent. Soraya ist von den tadellosen Uniformen der Soldaten fasziniert. Sie findet die Lastwagen und Jeeps des Militärs toll. Als sie im Fernsehen hörte, dass sich nun auch junge Mädchen für eine Karriere beim Militär entscheiden können, war ihre Wahl klar. Soraya will zum Militär! Es fehlen ihr noch ein paar Jahre, die sie mit einem Schulbesuch überbrücken will, um sich mit dem bestmöglichen Niveau für die Aufnahmeprüfung zu melden. Um an einer militärischen Bildungseinrichtung in Marokko ausgebildet zu werden, muss man zunächst einmal die Fähigkeit besitzen, die strenge und rigide Ausbildung durchzuhalten. Soraya ist sich sicher und kann es kaum erwarten, bis es endlich so weit ist.

Zukunftsperspektiven in Marokko

Das Landesinnere, in dem Soraya mit ihrer Familie lebt, ist für Touristen nicht interessant. Ausländische Besucher*innen sehen sich lieber die Königsstädte Rabat, Meknès, Fès und Marrakesch an, als das ursprüngliche und authentische Marokko zu erkunden. Das Landleben ist hart und der Verdienst gering, doch die Jugend sucht nicht einfach nach Europa zu fliehen, sondern findet wie Soraya ihre Möglichkeiten im eigenen Land.

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