Folgen des Hitzesommers: Notreserven für Tierfutter werden freigegeben
Am Montag bewilligte der Bund die Notreserven für Tierfutter freizugeben, um mögliche Engpässe in der Versorgung vorzubeugen. Wie genau das mit dem heissesten Sommer in Westeuropa zusammenhängt, erfährst du in diesem Artikel.
Der heisseste Sommer bisher
Obwohl kantonsweise Feuerverbote aufgrund der anhaltenden Trockenheit schrittweise aufgehoben werden, sind die Folgen der Hitze weit über die Temperaturen hinaus spürbar. Gemäss dem Bundesamt für Klimatologie und Meteorologie sowie dem Bundesamt für Umwelt war dies der heisseste Sommer jemals seit Beginn der Messungen im Jahr 1901. Während die Temperaturen von April bis Juli 2.7 Grad über dem langjährigen Durchschnitt lagen, fiel nur etwa die Hälfte des üblichen Regens. Nicht nur Lufttemperaturen, auch Gewässer erreichen düstere Rekorde. In Europa sind besonders der Rhein und die Donau betroffen. Beide Flüsse bilden zentrale Handelsrouten und ihr Niedrigwasser trifft auch die Schweiz.
Notreserven für Tierfutter freigegeben
Auf diesen Handelsrouten werden unter anderem entscheidende eiweissreiche Futtermittel importiert. Besonders wichtig ist Sojaschrot, welches für die Haltung von Rind, Schweine und Geflügel benutzt wird. Bei diesen Importen ist die Schweiz dabei vollständig vom Ausland abhängig. Weil zusätzlich wegen der Trockenheit auch weniger Raufutter verfügbar ist, bewilligte der Bund Bezüge aus dem Pflichtlager für Proteinträger für Futterzwecke. Seit dem 1. September 2026 bis zum Februar 2027 dürfen maximal 20% der Gesamtmenge, circa 16‘000 Tonnen, angezapft werden. Dies passiert jetzt zum zweiten Mal in der Geschichte: 2018 wurden solche Bezüge wegen Niedrigwassers am Rhein schon einmal bewilligt, damals wurde jedoch nichts davon bezogen. Heute dagegen wird jetzt schon angedeutet, dass, falls die 20% nicht ausreichen, der Wirtschaftsminister Guy Parmelin per Verordnung das ganze Pflichtlager freigeben kann.
Fragen für die Zukunft
Dieser Rekordsommer wirft viele Fragen auf, die zwar nicht neu sind, nun aber klar an Dringlichkeit gewinnen. Neben dem, wie Häuser und Städte angepasst werden müssen, um lebenswerte Räume für Menschen auch in künftigen Sommern zu bieten, gerät jetzt auch eine weitere Dimension in den Fokus, nämlich die Landwirtschaft. Die Freigabe der Notreserven ist nur eine kurzfristige Überbrückung für langfristige Probleme. Die Abhängigkeit von rein importierten Futtermittel wie Sojaschrot und der Konsum von tierischen Produkten sind dabei zentral. Dabei führt dieser Extremsommer deutlich vor Augen, dass der Klimawandel in Anmarsch ist und nachhaltige, miteinander verknüpfte Lösungen auf allen Ebenen gefragt sind.
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