Ein Demonstrant hält während einer Kundgebung gegen das iranische Regime und dessen Führer Ali Chamenei am Donnerstag, dem 5. Februar 2026, in Zürich, Schweiz, eine Flagge hoch.
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Iran – Land zwischen Hoffen und Bangen

19.02.2026
Emil Georg Hager
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Obwohl es im Iran aktuell relativ ruhig ist und Verhandlungen mit den USA laufen, brodelt es unter der Decke. Das Mullah Regime unter seinem Obersten Führer Ali Chamenei hat nach anhaltenden Protesten brutal reagiert. Es wird von rund 30,000 Menschenleben ausgegangen, die im Januar 2026 kaltblütig dahingerafft wurden. Doch wie zahlreiche Statements von Leuten im Iran schliessen lassen, gibt sich die Bevölkerung keineswegs geschlagen – der Kampf geht weiter.

Das Wichtigste in Kürze

Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:

  • Der Schah von Persien hatte eine enge Beziehung zur Schweiz.
  • Mit Schiitenführer Ruhollah Chomeini folgte die Islamisierung des Landes.
  • Noch ist die brutale Islamische Revolutionsgarde an der Macht.

Eigentlich kannte man den Iran, der früher Persien hiess, vor allem vom „Schah von Persien“. Reza Pahlewi, der letzte Schah (Herrscher) von Persien und seine Frau Farah hatten eine enge Beziehung zur Schweiz. Er besuchte das Internat Le Rosey am Genfersee und die Familie kehrte oft für Ferien an den Genfersee und nach St. Moritz zurück. Persien war ursprünglich ein Riesenreich und umfasste die Türkei, Zypern, Iran, Irak, Afghanistan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Ägypten. Nach und nach trennten sich diese Länder in blutigen Kriegen ab. Trotzdem ist der heutige Iran, wie Persien seit dem 21. März 1935 heisst, immer noch rund 40 Mal grösser als die Schweiz.

Mahsa Amini provozierte den ersten grossen Aufstand

Am 26. Oktober 1967, seinem 48. Geburtstag, fand die Krönungszeremonie von Schah Mohammad Reza Pahlavi und seiner Ehefrau Schahbanu Farah Pahlavi statt. Er übernahm das Amt von seinem Vater. Noch im gleichen Jahr wurde das Gesetz zum Schutz der Familie eingeführt. Dieses erschwerte die Scheidung für Männer und erleichterte sie für Frauen, denen nach einer Scheidung z.B. das Sorgerecht für ihre Kinder zugesprochen werden konnte. Die Bevölkerung war frei, ohne strenge Kleidervorschriften. Bereits zu jener Zeit trat jedoch Ajatollah Ruhollah Chomeini öffentlich in Erscheinung. Der Geistliche griff den Schah schon früh wegen seiner proamerikanischen Reformpolitik an. Gleichzeitig galt der Schah teilweise als korrupt und von verschwenderischen westlichen Regierungen abhängig.

Am 7. und 8. Januar 1978 kam es zu ersten Demonstrationen für Chomeini. Nachdem der Schah die Unterstützung Frankreichs, der USA, Grossbritanniens und Deutschlands verloren hatte, verliess er am 16. Januar 1979 Iran und reiste nach Ägypten. Reza Pahlavi starb am 27. Juli 1980 krankheitshalber in Ägypten. Schiitenführer Ruhollah Chomeini (1902–1989), der am 1. Februar nach Iran zurückgekehrt war, wurde die oberste Autorität Irans. Es folgte die Islamisierung des Justizwesens, der Schulen sowie der Wirtschaft und Medien. Für Frauen galt fortan eine islamische Kleiderordnung und in öffentlichen Verkehrsmitteln Geschlechtertrennung. Zugleich wurde ein Grossteil der Wirtschaft verstaatlicht. Laut Amnesty International wurden bis Ende 2009 schätzungsweise 5000 Menschen verhaftet. Die Gefangenen wurden teils gefoltert, manche starben an den Folgen. Das Land kam nie zur Ruhe, die Menschen konnten sich mit der Unterdrückung nicht abfinden. Dies gipfelte in der Ermordung von Mahsa Amini im Jahr 2022. Sie traute sich, den Schleier abzulegen und gegen das Mullah-Regime aufzustehen. Sie wurde umgebracht, weil sie als junge Frau selbstbestimmt leben wollte. Sie stellte sich offen gegen das Regime in Teheran, welches Frauen entrechtet, unterdrückt und ihnen ihre Freiheit nimmt. Sie gilt heute unter weiten Teilen der Bevölkerung als eigentliche Nationalheldin.

Weitere Unruhen sind eine Frage der Zeit

Die damaligen Unruhen wurden brutal niedergeschlagen. Ende 2025 und zu Beginn dieses Jahres flammten erneut eine Reihe von Massendemonstrationen und Streiks auf. Diesmal war der Grund nicht alleine die Unterdrückung der Frauen, sondern die gewaltige Teuerung nachdem die Lokalwährung Rial massiv abgestürzt war. Rund 30,000 Menschen wurden in der Folge ruchlos ermordet. “Wir haben protestiert, weil das Leben unmöglich und nicht mehr finanzierbar geworden ist. Nun müssen Familien sogar viel Geld dafür bezahlen, die Leichen ihrer Kinder zu bekommen”, sagt eine junge Frau. Anscheinend verlangen die Schergen der Mullahs zwischen CHF 3000-6000, wenn man eine Leiche abholen möchte. Die Menschen im Iran stehen unter Schock, sind voller Trauer und Wut.

Das iranische Regime ist geübt darin, Angst zu verbreiten und Widerspruch verstummen zu lassen. Am 8. Januar wurde das Internet gekappt. Die Massaker vom 8. und 9. Januar sind die Nächte der erbarmungslosen Unterdrückungsmaschinerie des islamistischen Regimes. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die Iraner ihrem Unmut erneut Luft machen und wieder aufbegehren werden. Diesmal kommt der Druck nicht nur von innen: Die USA drohen Teheran vehement mit Militärschlägen. Weiterhin werden Menschen verfolgt und verhaftet oder gar getötet. Ein Angriff der Amerikaner, den Trump dem Iran angedroht hatte, ist nicht vom Tisch. Die USA sind mit einem riesigen Waffenarsenal auf dem Meer vor dem Iran bereit zu intervenieren. Wobei man auch weiss, dass Donald Trump nicht alleine der Menschenrechte wegen zum Angriff bereit ist. Der Iran hat unermessliche Öl- und Bodenschätze auf Vorrat.

Weder Schah noch Mullahs - einfach eine Demokratie

Aus dem Exil meldete sich gleichzeitig der 56 jährige Sohn des Schahs von Persien, Reza Pahlavi. Er ist der Kronprinz einer Monarchie, die es heute nicht mehr gibt. Er ist in den USA gut vernetzt und steht z.B. auch im Austausch mit dem israelischen Premier Nethanjahu. Für ein paar Tage schien es gar, als ob Palhlevi etwas erreichte, was jahrzehntelang unmöglich war. Doch ein Grossteil der Bevölkerung ist auch der Monarchie, wie sie seinerzeit vom Vater Pahlavi geführt wurde, eher abgeneigt – vor allem die Kurden im Norden Irans.

Donald Trump hat mehrfach angedeutet einzuschreiten, sollte das Regime Menschen töten. Noch sind die Wächter Irans, die brutale Islamische Revolutionsgarde, an der Macht. Wie lange sie das noch durchhält ist unklar. Es gibt iranische Oppositionspolitiker im Ausland, die dem aktuellen Machtgefüge noch ca. 5 Monate geben. Und der US-Flugzeugträger Abraham Lincolm mit seiner Riesen-Begleitflotte ist bereit, einzugreifen. Sein Waffenarsenal ist unerbittlich. Eine Frage jedoch bleibt, und die ist nicht zu unterschätzen: Wer übernimmt nach dem Mullah-Regime? Ob Reza Pahlavi der Richtige ist, ist alles andere als sicher. Ayatollah Chamenei ist bereits 86-jährig, da muss also so oder so demnächst eine Nachfolgelösung her. Die Leute auf den Strassen wünschen sich weder Mullahs noch den Schah. Was sie wollen ist eine Demokratie, ein normales Zusammenleben ohne Repression, Unterdrückung und scharfe Gesetze. Sie möchten einfach in Freiheit leben.

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