Fokus der Woche – Kommentar der Redaktion

Moria brennt - und Europa schaut weg (16.09.2020/lz)

Moria. Ein Ort, an dem wohl die wenigsten von uns je gewesen sind. Ein Ort in Griechenland. Ein Ort am Abgrund. Ein Ort, wie es ihn nicht geben dürfte. In Moria auf der Insel Lesbos gibt es ein Lager für die Flüchtenden. Ein Flüchtlingslager. Erbärmliche Zustände für Menschen, die kaum mehr Hoffnung haben. Und nun brannte das Lager - und die schlimme Situation wurde noch viel schlimmer. 

Vor einer Woche erreichte uns die Nachricht, dass das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Flammen steht. Fast vollständig. Ungefähr 12'600 Menschen leben mittlerweile dort in dem Lager, das vor etwa fünf Jahren errichtet wurde. Damals waren zehntausende von Menschen auf der Flucht, aus afrikanischen und arabischen Regionen in Richtung Europa. Auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Unrecht, Arbeitslosigkeit, Unruhe, Obdachlosigkeit, Terror - mit dem Ziel: Sicherheit, Hoffnung, Frieden. Gestrandet sind viele auf Lesbos und leben seither dort. Oft in Zelten, in Containern, Lagerhallen, am Boden, ohne nichts und mit noch weniger.  

Warum brannte es dort? 

Momentan geht man von Brandstiftung aus. Offenbar haben Bewohner des Flüchtlingslagers Container in Brand gesteckt. Weshalb? Aus Frust, aus Hoffnungslosigkeit und aus Angst vor Corona. Anscheinend ging das Virus um, die Menschen, die nicht weiterreisen dürfen und in Moria feststecken, haben Angst vor einer Ansteckung. Vielleicht fragst du dich, weshalb sie feststecken und wieso sie nicht weiterreisen? Es ist ja kein Gefängnis, eigentlich!? Nun, die Menschen reisen oft illegal über das Meer: weg aus ihrer Heimat, wo Terror sie bedroht, hinein aufs europäische Festland. In den Frieden, in den Reichtum. Auf einen Kontinenten - der grundsätzlich nicht das Interesse hat, Menschen in Not aufzunehmen. So scheint es. Deutschland möchte immerhin aktuell 2000 Flüchtende aufnehmen (Stand heute), die Schweiz 20. 

Was geschieht jetzt mit Moria? 

Ungefähr 12'600 Menschen leben im Lager von Moria. Platz hätte es für 2'800 Menschen. Kaum vorstellbar. Nach dem Feuer wünschen sich viele, dass Moria zerstört bleibt, weil das Leben dort unzumutbar ist. Doch nun sind viele tausende Menschen obdachlos. Und der Winter kommt näher.

 

Fakt ist: die Lage ist für die Einheimischen auf Lesbos katastrophal, für die Flüchtenden sowieso. Armut, Obdachlosigkeit, Corona... Spannungen, Agressionen, Unzufriedenheit. Moria ist seit Jahren eine tickende Zeitbombe! Ganz Europa weiss davon und alle schauen weg. Auf Kosten der ärmsten Menschen, die eigentlich in der Regel nur Schutz suchen!  

Europa im Konflikt

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht Klartext: Dass man Moria quasi verbrennen lasse und die Flüchtenden sich selbst überlasse, sei kein Zeichen für die europäische Menschlichkeit. Dies betreffe auch Länder wie Oesterreich, die zum Beispiel keine Flüchtenden aufnehmen wollen und stattdessen Hilfsgüter (wie beispielsweise Lebensmittel) senden wollen. Doch mit Güetzi ist es nicht getan.

 

Was auf Lesbos geschieht, seit Jahren und in vollem Bewusstsein der Menschen auf der ganzen Welt, ist eine menschliche Tragödie! Frauen, Männer und Kinder, die unschuldig sind, nichts getan haben und nichts besitzen, werden fallen gelassen. Von deren Heimatländern, von den (zum Teil reichen) Rettungsländern, von den Regierungen und Politiker*innen, von den Mitmenschen der Erde, denen es besser geht. Von Menschen, die sich selber als wertvoller anschauen als andere und meinen, dass das eigene Boot voll sei. Das Boot ist voll. Welches Boot? Ist nicht die Erde unser gemeinsames Boot? Ist ein Menschenleben weniger wert als ein anderes? Wer entscheidet über Leben und Sterben?  

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