Fokus der Woche - Kommentar der Redaktion

Proteste in Weissrussland (19.08.2020/rc)

Anfang August wurde Alexander Lukaschenko als Sieger der diesjährigen Präsidentschaftswahlen in Weissrussland bekanntgegeben. Das Wahlergebnis wurde aber vermutlich gefälscht. Deshalb protestieren jetzt viele Weissrussinnen und Weissrussinnen gegen den Präsidenten.

Alexander Lukaschenko regiert Weissrussland seit 26 Jahren. Eine Amtszeit dauert in Weissrussland fünf Jahre. Eigentlich wäre es nicht erlaubt, länger als zwei Amtszeiten, also zehn Jahre, Präsidentin oder Präsident zu sein. Seit kurzem befindet er sich aber bereits in seiner sechsten Amtszeit. Wie das möglich ist? Lukaschenko ist ein Autokrat: Eine Person, die ganz alleine über ein Land herrschen will und niemanden anderes in der Regierung zulässt. Er will unbedingt in Weissrussland an der Macht bleiben, was er während den Präsidentschaftswahlen 2020 vom 9. August wieder einmal bewiesen hat.

Ein gefälschtes Wahlergebnis?

Alexander Lukaschenko hatte im Wahlkampf zuerst Sergei Tichanowski, Wiktor Babariko und Waleri Zepkalo als Gegenkandidaten. Die ersten zwei wurden verhaftet und Weleri Zepkaloi flüchtete ins Ausland, bevor er festgenommen werden konnte. Danach wurde Lukaschenko von der Ehefrau von Sergei Tichanowski, Swetlana Tichanowskaja, herausgefordert. Viele Menschen in Weissrussland mögen Swetlana Tichanowskaja. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen sagte jedoch etwas anderes: Alexander Lukaschenko wurde mit über 80 Prozent der Stimmen wieder zum Präsidenten gewählt. Kann es wirklich sein, dass er so deutlich gesiegt hat? Für viele ist klar, dass das Wahlergebnis gefälscht wurde und eigentlich Swetlana Tichanowskaja gewonnen hätte. Was unter anderem dafür spricht: Tichanowskaja wurde gedroht, weshalb sie nach der Wahl nach Litauen geflohen ist.

Mischt sich Russland ein?

Da die Wahlen vermutlich gefälscht wurden, sind viele Weissrussinnen und Weissrussen wütend. Deshalb protestieren seit der Verkündung des Wahlergebnisses zehntausende von ihnen gegen Alexander Lukaschenko. Vor allem in der Hauptstadt Minsk, aber auch im Rest des Landes, treffen sie sich auf den Strassen. Sie wollen: Lukaschenko soll als Präsident zurücktreten und es sollen faire Wahlen stattfinden. Obwohl sie meistens friedlich sind, geht die Polizei sehr brutal mit ihnen um. Viele der Protestierenden befinden sich unter schlimmen Bedingungen im Gefängnis, fast hundert Personen werden vermisst und mindestens zwei sind gestorben. Zudem hat Alexander Lukaschenko am Samstag, 15. August 2020, den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Unterstützung gebeten. Wird sich jetzt das mächtige Russland einmischen? Dagegen hätten die Protestierenden wahrscheinlich keine Chance. Dass das passiert, ist momentan aber unwahrscheinlich. Ein Grund: Wladimir Putin sagte, dass er sich nur für Weissrussland einsetzt, wenn es vom Ausland angegriffen wird. Jetzt behauptet Lukaschenko, dass genau das der Fall ist. Das ist aber offensichtlich nicht wahr und das sieht auch Putin so.

Immer mehr Gegner

Wahrscheinlich wird die russische Armee nicht nach Weissrussland gehen und die Proteste gegen Alexander Lukaschenko auflösen. Aber ist das überhaupt notwendig? Bringen die Proteste überhaupt etwas? Ja, das tun sie! Sie sind ein sehr wichtiges Zeichen gegen Lukaschenko. Die Protestierenden zeigen damit, dass sie nicht alles mit sich machen lassen und eine Veränderung wollen. Immer mehr Menschen machen mit, auch viele Berühmtheiten und Polizisten. Lukaschenko wird immer einsamer.

Kein nahes Ende in Sicht

Währenddessen will Swetlana Tichanowskaja, die noch immer in Litauen ist, eine neue Präsidentschaftswahl organisieren. Wahrscheinlich würde sie diese gewinnen. Sie hat sich auch mit sehr einflussreichen Persönlichkeiten aus Weissrussland zusammengetan. Diese unterstützen sie. Mit ihnen stellt sie eine Regierung zusammen, die an der Stelle von Lukaschenko die Macht in Weissrussland haben soll. Ob ihr Plan funktionieren wird? Das ist schwierig vorherzusagen. Denn Alexander Lukaschenko will auf keinen Fall mit ihr sprechen. Doch das wäre wichtig: Tichanowskaja will eine friedliche Lösung finden und keine Gewalt anwenden. Daher bleibt zu hoffen, dass immer mehr wichtige Personen statt Lukaschenko Swetlana Tichanowskaja unterstützen. So nimmt damit die Macht von Lukaschenko ab. Und hoffen wir weiter, dass sich Russland nicht doch noch einmischt.

Nun bist du an der Reihe

Was glaubst du, wurde die Wahl manipuliert? Was denkst du über die Äusserungen von Putin, sollte Russland doch einschreiben? Ist der Weg von Tichanowskaja der richtige? Bringen die Demonstrationen doch etwas?

Sprich darüber – und melde dich doch auch bei uns. Entweder mit einem Kommentar in der Kommentarspalte, auf Facebook oder mit einem Mail auf info@chinderzytig.ch. Wir freuen uns auf Rückmeldungen.

Bildmaterial

https://www.nzz.ch/fotografie/minsk-weissrussland-zwischen-sowjetnostalgie-und-globalisieru-ld.1570285

https://www.nzz.ch/international/weissrussland-lukaschenko-verliert-die-gefolgschaft-ld.1571651

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