Und plötzlich fehlt das Symbol der Stadt (14.08.2020/lz)

Am 14. August 2018 verlor die italienische Stadt Genua ihr Wahrzeichen: ihre Brücke stürzte ein. Die Brücke, auf Italienisch Ponte Morandi, verbindet die Stadteile von Osten und Westen miteinander. Sie galt als wichtige Umfahrungsstrasse auch für Fahrzeuge von und nach Frankreich und war das Wahrzeichen der Stadt Genua. Was für Paris der Eiffelturm ist, war für Genua die Ponte Morandi. Doch, warum stürzte dieses riesige Bauwerk ein? Und was ist heute dort? 

Anscheinend war den Italienern bewusst, dass die Brücke einsturzgefährdet war. Schon vier Jahre vor dem Unglück wurde darauf hingewiesen. Die Ponte Morandi ist fast 100 Meter hoch, mit Stahlseilen und Stahlbeton gebaut. Also kein einfaches «Brücklein» sondern eine massive, stahlharte Brücke. Früher ging man davon aus, dass sich Beton niemals verändert und immer bleibt, wie er ist. Das ist ein Fehler. Beton bewegt sich mit der Zeit langsam, beginnt sich zu verschieben oder bröckelt. So ist es auch bei der Brücke geschehen. Der Beton war seit der Eröffnung 1967 in Bewegung (man nennt das Betonkriechen). Die Brücke war also eigentlich schon länger bereit, um repariert zu werden.

Warum wurde nicht repariert?

Das ist eine schwierige Frage. Italien hat nicht massenhaft Geld zur Verfügung, das im ganzen Land für solche Reparaturarbeiten eingesetzt werden kann. Ausserdem spielt es immer eine Rolle, welche Personen an der Macht sind und das Sagen haben. So verzögerte sich die Planung für die Sanierung um Jahre. Es wurden oft nur kleinere Reparaturarbeiten in die Tat umgesetzt, anstatt die Brücke komplett zu reparieren. Man muss auch sagen, dass die Instandhaltung der Ponte Morandi etwa dreimal teurer gewesen wäre, als bei anderen Brücken, weil die Infrastruktur veraltet war. Bereits im 2016 wurde mitgeteilt, dass der Abriss und Neubau der Brücke bald günstiger wäre, als die dauerhafte Sanierung und Reparatur. Getan wurde leider zu wenig.

Die Katastrophe geschah

Am 14.8.18 geschah also das Erwartete. Ein Teil der Brücke stürzte ein, auf etwa 250 Meter Länge. Etwa 35 Autos und 3 Lastwagen stürzten in die Tiefe. 43 Personen verloren ihr Leben. Am Unglückstag regnete es stark und Anwesende berichteten von starken Schwingungen der Brücke. Ob das Wetter die Katastrophe am Ende ausgelöst hatte, bleibt ungewiss. Aus Angst davor, dass noch weitere Teile der Brücke einstürzen könnten, mussten 600 Personen per sofort ihre darunterliegenden Wohnungen auf unbestimmte Zeit verlassen. Ein Desaster für die Betroffenen, die Stadt Genua und ganz Italien. Man hat das Unglück jahrzehntelang kommen sehen, doch nichts dagegen unternommen. Schuld daran trägt offiziell niemand.

 

Und heute?

Am 3. August 2020, knapp zwei Jahre nach dem Unglück, wurde die neue Brücke Genova San Giorgio feierlich eröffnet. Sie kostete fast 500 Millionen Euro, ist ebenfalls wieder aus Stahlbeton und enthält 43 Strassenlaternen – für jedes Todesopfer eine.

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