Die Brissago-Inseln – exotisch und geschichtsträchtig
Der Kanton Tessin hat viele besondere Orte und Sehenswürdigkeiten. Einer dieser aussergewöhnlichen Orte sind die beiden Brissago-Inseln. Wie der Name sagt, liegen sie vor Brissago oder südlich von Ascona im Lago Maggiore und sind einfach erreichbar. Nicht nur ihre Lage ist besonders. Dort wachsen viele exotische Pflanzen und hinter den beiden Inseln steckt auch eine spannende Geschichte.
Das Wichtigste in Kürze
Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:
- Eigenes Paradies mit einem herrschaftlichen Herrenhaus.
- Max Emden liess es sich im Tessin gut gehen.
- Ein Besuch der Inseln ist zugleich eine botanische Tour rund um die Welt.
Keine Frage, die Brissago-Inseln sind einen Besuch wert. Seit kurzer Zeit können beide Inseln besucht werden und in der Villa Emden kann man nicht nur essen, sondern sogar übernachten. Ausserdem liegen die Inseln so weit im Süden der Schweiz, dass direkt südlich davon die Grenze zwischen der Schweiz und Italien verläuft.
Deutsch-Russische Baronin erstand die beiden Inseln
Die Inseln waren bereits zur Zeit der Römer besiedelt. Entsprechende archäologische Funde befinden sich heute im Museum in Locarno. Im Mittelalter standen auf den Inseln zwei Kirchen. In dieser Zeit erreichten die Inselbewohnerinnen und Inselbewohner zeitweise sogar eine gewisse Selbstständigkeit gegenüber den Herrschern in Mailand und später gegenüber der Schweiz. Um 1875 gab es Pläne, auf den Inseln eine Dynamitfabrik zu bauen. Diese sollte Nitroglycerin für den Bau des Gotthardtunnels liefern. Doch dazu kam es nie.
Die deutsch-russische Baronin Antoinette de Saint Légerie kaufte die Inseln im Jahr 1885. Sie liess dort ein grosses Haus und eine Parkanlage mit subtropischen Pflanzen errichten. Damit legte sie den Grundstein für den heutigen Botanischen Garten. Als sie 1927 wegen gewagter Spekulationen in finanzielle Schwierigkeiten geriet, verkaufte sie die Inseln an den deutschen Warenhausmillionär und Kunstsammler Max Emden. Dieser hatte mit den beiden Inseln ganz andere Pläne. Er liess Gebäude und Kirche abbrechen und schuf sich sein eigenes Paradies mit einem herrschaftlichen Herrenhaus, der Villa Emden.
«Auch Leben ist eine Kunst.»
Max Emden hatte mit Kaufhäusern in Europa viel Geld verdient. Obwohl er mehrfacher Millionär war und zeitweise bis zu 10'000 Angestellte hatte, wurde ihm das Leben in Hamburg zu eng. Er wollte die verschmutzte und industrialisierte Grossstadt verlassen, ins Tessin ziehen und dort ein schöneres Leben führen. Er verkaufte seine Kaufhäuser, einige davon an Rudolf Karstadt. Heute besteht das Unternehmen als Galeria Kaufhof Karstadt in Deutschland weiter.
Max Emden genoss das Leben im Tessin. Er sammelte Bilder von Monet, Van Gogh und Canaletto. Ausserdem vergrösserte er den Botanischen Garten, baute ein römisches Bad und ein eigenes Bootshaus. Immer wieder lud er Gäste auf die Inseln ein. Über der grossen Sonnenterrasse der Villa steht bis heute in Stein geschrieben: «Auch Leben ist eine Kunst.» Mit seinem Motorboot fuhr er regelmässig nach Ascona, um dort Golf zu spielen. Den Golfplatz finanzierte er zu einem grossen Teil sogar selbst.
Schweizer Einbürgerung um den Nazis zu entgehen
Obwohl er bereits früher zum Christentum übergetreten war, ahnte der gebürtige Jude, dass schwierige Zeiten auf ihn zukommen könnten. Deshalb wollte er Schweizer Bürger werden. Sein grosses Vermögen half ihm dabei, dennoch brauchte es mehrere Briefe und Abklärungen mit Bern, bis die Einbürgerung bewilligt wurde. Das angenehme Leben von Max Emden endete im Jahr 1940. Als er im Sterben lag, wollte sein Sohn Hans Erich Emden an das Sterbebett seines Vaters reisen. Die Schweiz gewährte ihm jedoch nur ein Visum für zwei Wochen.
Weil Hans Erich Emden damals eine Ausbildung im Ausland machte und jüdischer Abstammung war, verlor er sein deutsches Bürgerrecht. Die Nationalsozialisten nahmen ihm ausserdem sein Eigentum weg und er wurde staatenlos. Mit einem gekauften haitianischen Pass gelangte er über Portugal nach Chile. Nach dem Tod seines Vaters erbte Hans Erich Emden zwar die Millionärsinsel im Tessin, konnte aber von Chile aus nicht darauf zugreifen. Die Löhne des Personals, die Steuern und die Hypothekarzinsen verursachten hohe Kosten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied sich Hans Erich Emden deshalb, die Inseln an den Kanton Tessin zu verkaufen.
Heute gehören die Inseln dem Kanton Tessin und können von Mitte März bis Anfang November täglich besucht werden. Die Überfahrt von Ascona dauert nur 20 Minuten. Ein Besuch ist gleichzeitig eine botanische Reise rund um die Welt. Ausserdem sind die Brissago-Inseln mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 14 Grad der wärmste Ort der Schweiz. Auch die Küche der Villa Emden bietet viele kulinarische Genüsse.
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