Auf zwei Rädern die Welt erobern

22.02.2022
Kathrin Hausammann
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Immer wieder liest man verrückte Geschichten von Menschen, die mit ihrem Velo die halbe Welt umrunden. Warum machen sie das wohl? Wollen sie besonders fit werden? Und was braucht es alles für eine erfolgreiche Velo-Reise? Schauen und hören wir doch mal etwas genauer hin, was das Velo-Reisen so aufregend macht.

Das Velo sieht man fast nicht mehr unter all den Taschen. Links und rechts an Vorder- und Hinterrad sind sie befestigt. Und auf dem Gepäckträger sind noch ein Zelt und ein Schlafsack festgebunden. Da muss man also für einige zusätzliche Kilos strampeln. Sieht das nach erholsamen Ferien aus? Wenn man so die Berichte der Velo-Abenteurerinnen und - Abenteurer liest, merkt man schnell: um erholsame Ferien geht es nicht. Es geht um mehr. Es geht um Begegnungen, um das Erleben von Landschaften, Kulturen, Menschen – und das möglichst direkt und mit allen Sinnen. Das Gepäck gehört einfach dazu. Aber um überflüssige Kilos einzusparen, werden klare Prioritäten gesetzt. Nur das Nötigste kommt mit. Ganz nach dem Motto „reduce to the max“.

Kamera…

Und was packen die Velo-Abenteurer denn so alles in ihre Taschen ein? Der Velo-Abenteurer Marc Michel aus Bönigen hat auf seiner Webseite (www.marcmichel.ch) ganze Packlisten aufgeschaltet. Auffällig ist: Die Kamera ist immer mit dabei. Und mit ihr noch viel weitere Elektronik wie Handy, Ladegeräte, USB-Sticks und SD-Karten – wohl zur Speicherung der Fotos und Videos von unterwegs. Doch, wie lädt Michel seine Kamera oder sein Handy auf, wenn er tagelang durch eine Wüste radelt – weit und breit keine Steckdose? Dafür gibt’s Solarpanels und Ladegeräte, die am Dynamo des Velos angehängt werden können. Sie liefern Strom während des Fahrens.

…und Teigwaren

Viel wichtiger als elektronische Geräte ist aber natürlich die Nahrung. Je nach Velotour und Klima sieht die unterschiedlich aus. Aber sie muss Energie spenden. So fuhr Marc Michel bei seiner letzten Velotour durch Sibirien rund 39 Kilo Teigwaren mit sich herum. Wegen der Kälte und der Strapazen für seinen Körper musste er pro Tag ca. 5000 Kilokalorien zu sich nehmen. Das sind etwa doppelt so viele wie ein Mann normalerweise pro Tag braucht. Er ass die Teigwaren zum Frühstück, zum Mittagessen und am Abend.

Weit weit weg

Kleider, ein Zelt und Utensilien zum Kochen und für die Körperhygiene fehlen auch nicht in den praktischen Velotaschen. Doch wie bereits gesagt, gilt hier: weniger ist mehr. Und auch eine Auswahl an Medikamenten wird mitgenommen. Die teils extremen Reisebedingungen können den Körper stark belasten. Und die medizinische Versorgung ist in gewissen Ländern auch nicht so gut wie in der Schweiz. Oder man ist schlicht viel zu weit davon entfernt. Denn, was Velo-Abenteurer auch gemeinsam haben: sie strampeln oft durch einsame Gegenden, weitab von der Zivilisation. Das heisst, weit weg von Menschen und Städten. Sie sind oft auf sich alleine gestellt. Da ist ein Vorrat an Notfall-Medikamenten sicher nicht verkehrt. Doch, wenn man richtig schlimm krank wird, hilft auch der Notfall-Koffer nicht mehr. So geschehen Marc Michel.

Ein Lebensstil

Als im Frühling 2020 die Coronapandemie ausbrach, war Michel mit seiner Freundin in China unterwegs. Plötzlich wurden Grenzen geschlossen und Flugverbindungen gestrichen. Es wurde immer schwieriger mit dem Reisen – auch per Velo. Und dann kam da eben noch eine Gehirnentzündung dazu bei Marc Michel. Er musste ins Spital und dann mit dem RegaHelikopter in die Schweiz zurückgeflogen werden. Mittlerweile geht es ihm wieder ziemlich gut und er plant bereits seine nächsten Abenteuer. Auch das eine Gemeinsamkeit der VeloReisenden. Kaum sind sie zu Hause, planen sie schon das nächste Abenteuer. Manche leben mittlerweile von ihren Reisen und Erlebnissen, zum Beispiel der sogenannte „Cyclonaute“ Claude Marthaler. Er hat schon zahlreiche Bücher geschrieben, hält Vorträge und macht FotoAusstellungen. Seine Bücher tragen Namen wie „Der Gesang der Räder“ oder „Soweit das Rad uns trägt“ – wer möchte da nicht auch gleich in den nächsten Sattel steigen?

Arbeitsmaterial

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