'Lost Screen Memorial', eine Kunstinstallation mit riesigen, beleuchteten Smartphone-Bildschirmen auf der Place des Nations in Genf, Schweiz.
KEYSTONE
Leseniveau:

Internetgruppen suchen gezielt nach Kindern

29.10.2026
•
Camila Gonçalves
Artikel anhören

Wer sind diese Gruppen und was wollen sie? Was machen sie genau? Können sich Menschen schützen?

Das Wichtigste in Kürze

Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:

  • Gruppen wie «The Com» und «764» suchen im Internet gezielt nach Kindern.
  • Täter zwingen Kinder, unangenehme bis schlimme Dinge zu tun.
  • Kinder und Jugendliche können sich schützen und Hilfe holen.

Das Internet dient vielen Sachen, von Videoschauen und -teilen über Telefonieren bis zu Gamen. Die meisten Menschen halten sich aus harmlosen Gründen im Internet auf. Jedoch gibt es auch Menschen und sogar ganze Gruppen, die das Internet für Dinge nutzen, die den Betroffenen schaden. Zu diesen gehören die Gruppen «The Com» und «764». Dies sind internationale Netzwerke, in denen sich Menschen zusammenschliessen, um andere zu bedrohen, unter Druck zu setzen und ihnen Leid zuzufügen.

«The Com» ist die Abkürzung für das englische Wort «Community», auf Deutsch also Gemeinschaft. Die Gruppe «764» gehört zu diesem Umfeld. Ihre Mitglieder versuchen unter anderem, Kinder und Jugendliche im Internet zu finden und sie zu schlimmen Dingen zu zwingen.

Auch in der Schweiz sind solche Fälle bekannt. Laut dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat die Polizei bereits mehrere Fälle untersucht.

Was machen diese Gruppen und wie genau?

Die Täter suchen oft Kinder und Jugendliche über bekannte Plattformen und soziale Medien auf. Manchmal geben sie sich als Gleichaltrige aus und tun so, als wollten sie einfach eine Freundschaft schliessen. Sie sind freundlich, schreiben häufig Nachrichten und versuchen, Vertrauen aufzubauen. Manche täuschen sogar eine Liebesbeziehung vor.

Dabei fragen sie persönliche Dinge ab, beispielsweise den Namen, den Wohnort, die Schule oder Informationen über die Familie. Manchmal bitten sie auch um Fotos. Auf diese Weise sammeln sie Informationen, die sie später gegen die Kinder verwenden können. Wenn die Täter genug über ein Kind wissen, kann sich das Verhalten plötzlich verändern. Sie drohen beispielsweise damit, private Nachrichten oder Bilder zu verbreiten. Dadurch versuchen sie, die Kinder einzuschüchtern, damit diese machen, was die Täter wollen. Dies wird auch Erpressung genannt, wenn einem Menschen eine Konsequenz angedroht wird, wenn er nicht macht, was die andere Person möchte. Manche Täter verlangen intime Bilder oder Videos. Andere zwingen ihre Opfer, sich selbst zu verletzen oder Dinge zu tun, die ihnen oder anderen Menschen schaden. Die Täter sammeln teilweise Aufnahmen davon und zeigen sie anderen Mitgliedern der Gruppe. Täter zu identifizieren oder ihnen zu entkommen ist schwer, da sie immer neue Konti erstellen können, wenn ihre alten gesperrt werden. Für die betroffenen Kinder kann es sehr schwierig sein, sich allein aus dieser Situation zu befreien.

Warum ist dies gefährlich und wie können sich Kinder schützen?

Diese Gruppen können das Leben ihrer Opfer stark belasten. Kinder können Angst bekommen, sich schämen oder glauben, sie seien selbst schuld. Drohungen und Erpressung können dazu führen, dass sie sich allein fühlen und niemandem mehr vertrauen. Doch ganz wichtig ist: Wer im Internet bedroht oder erpresst wird, ist nicht schuld daran. Die Verantwortung liegt bei den Tätern.

Es gibt einige Dinge, die Kinder und Jugendliche tun können, um sich besser zu schützen: Fremden Personen nicht einfach Adressen, Schulnamen, Telefonnummern oder andere private Informationen weitergeben. Keine intimen Bilder an Menschen im Internet verschicken. Auch nicht an Personen, die nett wirken oder sagen, sie seien beispielsweise verliebt. Der Kontakt darf jederzeit abgebrochen werden, wenn sich Menschen unwohl fühlen oder wenn die andere Person Dinge möchte, die man nicht will. Auch wichtig ist, mit Eltern, einer Lehrperson oder einer anderen erwachsenen Vertrauensperson zu sprechen. Solche Situationen können oft nicht und müssen nicht allein gelöst werden. Wenn es möglich ist, sollten Nachrichten und Drohungen aufbewahrt werden. Das betreffende Konto bei der Plattform melden und die Person blockieren, sind auch wichtige Schritte. Bei ernsthaften Drohungen sollte die Polizei eingeschaltet werden.

Auch Eltern und andere Erwachsene können helfen, indem sie aufmerksam zuhören und Kinder ernst nehmen. In der Schweiz können sich Kinder und Jugendliche bei 147 von Pro Juventute kostenlos und vertraulich Hilfe holen. Wenn jemand unmittelbar in Gefahr ist, sollte sofort die Polizei verständigt werden.

Geschäftsführer gesucht!

Du willst nicht nur mitmachen, sondern gestalten? Hier ist deine Chance.

Die Chinderzytig – seit über 7 Jahren die Zeitung für und mit Kindern – sucht eine neue Geschäftsführung. Keine klassische „Verwalter*innen-Rolle", sondern eine echte unternehmerische Spielwiese für jemanden, der oder die Lust auf die Extrameile hat.

Geschäftsführer PDF

Helfen Sie uns, Chinderzytig werbefrei und frei zugänglich zu halten!

Wir von der Chinderzytig möchten die Lesefreudigkeit fördern und nicht einschränken. Deshalb stellen wir unseren Inhalt gratis zur Verfügung.

Unterstütze uns