Künstler läuft in Ritterrüstung 17 Kilometer
Am Sonntag, 4. Oktober, fand der Murtenlauf im Kanton Freiburg statt. Ein französischer Künstler zog mit seiner ungewöhnlichen Kleidung alle Blicke auf sich: Er lief die Strecke in einer 34 Kilogramm schweren Ritterrüstung. Damit wollte er an den Ursprung des Laufs erinnern.
In Murten findet jedes Jahr am ersten Sonntag im Oktober der älteste Strassenlauf der Schweiz statt. Dabei laufen Tausende Sportler:innen die 17,17 Kilometer lange Strecke von Murten nach Freiburg. Solche Laufveranstaltungen gibt es in der Schweiz viele. Doch beim Murtenlauf tauchen immer wieder besonders kreative Teilnehmerinnen auf, die mit originellen Verkleidungen für Aufsehen sorgen.
Einer davon war der französische Performancekünstler Abraham Poincheval. Performancekunst ist eine besondere Kunstform: Statt Bilder zu malen oder Skulpturen zu gestalten, nutzen die Künstler:innen ihren eigenen Körper als Teil ihres Kunstwerks. Mit seiner Ritterrüstung machte Abraham Poincheval genau das. Die schwere Ausrüstung bestand aus Metall und wog rund 34 Kilogramm. Stell dir vor, du müsstest einen grossen Sack Hundefutter tragen. Etwa so schwer war die Ritterrüstung. Während andere Läufer:innen in leichter Sportkleidung unterwegs waren, zog er Schritt für Schritt in seiner historischen Rüstung über die Strecke.
Erinnerung an eine längst vergangene Schlacht
Der Murtenlauf erinnert an ein historisches Ereignis, das vor mehr als 550 Jahren stattfand. Am 22. Juni 1476 kam es zur Schlacht bei Murten. Damals kämpften die eidgenössischen Orte und ihre Verbündeten gegen den burgundischen Herzog Karl den Kühnen. Die Schlacht war Teil der Burgunderkriege. Vor der Schlacht war die Stadt Murten mehrere Wochen von burgundischen Truppen belagert worden. Die Verteidiger hielten jedoch stand, bis Verstärkung eintraf. Als die eidgenössischen Truppen angriffen, überraschten sie das Heer des Herzogs und zwangen ihn zur Flucht. Die Niederlage schwächte die Macht Burgunds entscheidend.
Mit dem Murtenlauf wird an eine Legende erinnert, die nach der Schlacht entstand. Der Legende nach lief ein Bote von Murten nach Freiburg, um die Nachricht vom Sieg zu verkünden. Diese Strecke entspricht ungefähr der heutigen Laufdistanz. Seit 1932 wird deshalb der Murtenlauf durchgeführt.
Genau an diese Geschichte wollte Abraham Poincheval erinnern. Mit seiner Ritterrüstung brachte er ein Stück Geschichte auf die Laufstrecke zurück. Der Künstler sagte nach dem Rennen, dass die fast 18 Kilometer in der schweren Rüstung sehr anstrengend gewesen seien. Gleichzeitig habe das Klappern des Metalls für ihn wie eine eigene Melodie geklungen. Nach rund fünf Stunden erreichte er als letzter Teilnehmer das Ziel. Obwohl er nicht um den Sieg lief, hinterliess er bei den Zuschauer:innen einen bleibenden Eindruck.
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