Ein Hoch auf den Drahtesel

3.06.2021
Kathrin Hausammann
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Zwei Räder, ein Sattel, zwei Pedale, ein Lenker – ein Rahmen dazu und fertig ist das weltweit beliebteste und verbreitetste Fortbewegungsmittel. Seit über 200 Jahren bringt uns das Velo von A nach B. Und seit Corona erlebt das Velo einen regelrechten Boom.

Heute ist offizieller Weltfahrradtag. Er wurde ins Leben gerufen, um auf den Nutzen des Velos für die Gesellschaft und die Umwelt hinzuweisen. Das Velo sollte mehr beachtet werden als Fortbewegungsmittel für den täglichen Gebrauch – zum Beispiel für den Weg zur Arbeit. Nun hat Corona für diese Aufmerksamkeit gesorgt. Im letzten Jahr ist die Nachfrage nach Velos so stark gestiegen wie noch nie. Man spricht von einem Boom. Die Lager der Velohändler sind leer gekauft. Die Hersteller kommen mit der Produktion von neuen Velos kaum nach. Über 90 Prozent aller Velos werden in Asien hergestellt.

Dort standen die Produktionen am Anfang der Coronapandemie still. Nun gibt es überall Lieferengpässe bei den zahlreichen Einzelteilen eines Velos.

Eindrückliche Zahlen

Die Zahlen rund ums Velo sind allgemein eindrücklich. Man schätzt, dass es weltweit ungefähr eine Milliarde Velos gibt. Das sind doppelt so viele wie Autos. In der Schweiz wurden im letzten Jahr über 500‘000 Velos verkauft. Jedes dritte davon war ein Elektrovelo. Wie viele Velos es in der Schweiz insgesamt gibt, ist nicht bekannt. Aber man geht davon aus, dass rund 2,3 Millionen Menschen Velo fahren. Interessant ist, dass es beim Velofahren einen „Röstigraben“ durch die Schweiz gibt. Das heisst, in der Deutschschweiz fahren deutlich mehr Menschen Velo als in der Romandie und im Tessin.

Von Velo-Schnellstrassen…

Auch wenn wir einen Blick auf die Europakarte werfen, zeigt sich, dass die typischen Velostädte eher in den nördlichen Ländern zu finden sind. So zum Beispiel in Dänemark, Holland oder Norwegen. Kopenhagen, die Hauptstadt von Dänemark, gilt immer noch als Velostadt der Welt. Über die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner fährt mit dem Velo zur Arbeit, in die Schule oder an die Uni. Seit 2016 gibt es in der Stadt mehr Velos als Autos. Das führt allerdings dazu, dass es in der Hauptverkehrszeit sogar zu Staus auf den sogenannten Velo-Schnellstrassen kommt.

…und Fahrradliften

Auch in Amsterdam fährt über die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner täglich Velo. Die holländische Stadt gibt auf ihrer Tourismuswebseite an, dass es in der Stadt sogar mehr Velos gibt als Einwohnende. Ganz im Gegensatz zu Istanbul. Die türkische Stadt hat weltweit die wenigsten Velofahrer. Nebst Velo-Schnellstrassen gibt es im nördlichen Europa auch Velo-Parkhäuser mit Parkleitsystem (z.B. in Utrecht, Holland) oder gar einen Velolift. In der drittgrössten Stadt Norwegens – in Trondheim – steht seit 1993 der einzige Velolift der Welt. Er funktioniert ähnlich wie ein Skilift. Der Velofahrer stellt einen Fuss auf eine Platte und wird so den Berg hinaufgeschoben.

Und in der Schweiz?

Solche Einrichtungen fehlen in der Schweiz noch. Und auch der Anteil des Veloverkehrs am Gesamtverkehr liegt in den Schweizer Städten noch weit hinter den typischen Velostädten von Europa (Basel: 17%, Bern: 15%, Zürich: 12%, Quelle: Städtevergleich Mobilität, 2015). Aber wer weiss, vielleicht sehen die Zahlen nach dem neusten Veloboom ja bald anders aus.

Zum Schluss noch eine witzige Anekdote aus der Geschichte des Velos: Als das Velofahren erfunden wurde, warnten Wissenschaftler vor dem sogenannten „Velogesicht“. Sie glaubten, dass sich das Gesicht durch den Fahrtwind verformen könnte. Wie gut, dass sich auch Wissenschaftler hie und da mal irren können…

Arbeitsmaterial

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