Es war einmal - ein vereinigtes Land

13.01.2021
Lars Ziörjen
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Im vergangenen Jahrhundert waren die Vereinigten Staaten von Amerika der stabile Hafen der westlichen Welt. Ein Weltpolizist, der aus unserer Sicht für eine stabile Ordnung sorgte. Und zwei Weltkriege “gewann”. Ein Land, das uns aufregende Produkte bescherte (Coca Cola, iPad…) und uns tolle Musik und Filme bescherte. In diesem Jahrhundert war es auch noch lange so. Doch dann löste ein Mann eine Lawine aus. Die USA, wie Europa sie schätzte, gibt es nicht mehr. Die USA von damals? Es war einmal…

Es war einmal ein Land, das, das die Demokratie lebte. In einer Demokratie stimmt man ab, diskutiert, streitet, wählt, entscheidet. Die Mehrheit bestimmt. Die Minderheit macht mit. Die USA hat ihre Politik auf zwei Parteien ausgelegt sowie einen regierenden Präsidenten. Die Macht ist klar verteilt, auch wenn sie zwischen den Parteien wechselt. Rückblickend wechseln die Machtverhältnisse stets mit dem Präsidenten. In den letzten Jahren waren folgende Männer an der Macht:

  • George Bush sen., Republikaner, 1989 - 1993
  • Bill Clinton, Demokrat, 1993 - 2001
  • George Bush jun., Republikaner, 2001 - 2009
  • Barack Obama, Demokrat, 2009 - 2017

Man konnte vom Land halten, was man wollte. Die USA hatte nebst vielen Freunden immer auch viele Feinde. Aber man wusste in der Regel, wie die USA funktioniert, was man erhält und dies führte zu stabilen Verhältnissen auf der Welt.

Es war einmal… ein Präsident

Es war einmal ein Präsident, der liebte sich. Der verehrte sich. Der überschätzte sich. Ihm ging es nie um den Erhalt der Demokratie. Nie um Stabilität. Nie um Normalität. Er bastelte munter an seinem Denkmal und beleidigte alle, die ihm in die Quere kamen. Am 6.1. geschah etwas, mit dem viele Menschen gerechnet haben und doch viele Menschen verstörte. Die blind liebenden und ihren Helden verehrenden Trump-Fans stürmten das Capitol. Dies ist vergleichbar mit einem Sturm aufs Bundeshaus in Bern. Sie protestierten und beklagten, dass man ihrem Idol die Präsidentschaft gestohlen habe. Wohlverstanden: dies ist eine Lüge! Donald Trump hat zwar 74 Millionen Stimmen erhalten, Joe Biden jedoch 81 Millionen. Deutlich mehr. Und der Einwand von Trump, dass die Wahlen gestohlen wurden, wurde von Gerichten über 60-mal abgelehnt. Dies hat jedoch weder Trump noch seine Fans davon abgehalten, gegen das Gesetz zu verstossen und das Gebäude zu stürmen.

Es war einmal… Stabilität

Es war einmal ein Präsident, der trieb seine Fans dazu an, diesen Gesetzesbruch umzusetzen. Er wiegelte die Meute auf und trieb sie dazu, das Capitol zu stürmen. Ein Einmarsch, der illegal gewesen ist, schockierend, sinnlos – und fünf Todesopfer forderte. Die Stabilität in den USA ist dahin. Joe Biden, der in der nächsten Woche Präsident sein wird, hat kaum eine Möglichkeit, das gespaltene Land zu einen. Zu tief ist der Graben zwischen den Trumpisten und den Gemässigteren. Trump wird der erste Präsident seit 1869 sein, der nicht an der Amtseinführung anwesend sein wird. Es ist gut, weil er sich diesen Moment zu seiner Show machen würde, doch es spaltet das Land weiter. Eine Abwesenheit ist auch ein Zeichen, dass man demokratische Wahlergebnisse nicht akzeptiert. Dies führt zur grösseren Spaltung, zu weniger Stabilität und ein weiters Mal, zumindest bei mir, zu grossem trump’schen Kopfschütteln.

Nun bist du dran

Im Vergleich zu den Corona-Todesfällen, zu den Flüchtlingskriegen, Konflikten und Hungersnöten, die auf der Welt herrschen, sind die Bilder im Capitol nicht grausam. Dennoch erschüttern sie die USA und viele befreundete Länder. Wie wirken die Bilder auf dich? Was würdest du denken, wenn eine Gruppe plötzlich unser Bundeshaus stürmen würde? Was sagen deine Eltern und weitere Erwachsene zum Thema? Frag sie!

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