Irina the tiger posing at Zurich Zoo
Tambako The Jaguar
/
CC BY-ND 2.0

Angriff eines Tigers, wo liegt die Schuld?

8.07.2020
Seraina Branschi

Der tödliche Angriff der Tigerdame Irina auf ihre Pflegerin im Zürcher Zoo bringt ein neues Thema in die Corona-Zeit. Wie konnte das passieren? Wo liegt die Schuld? Wird die Tigerdame nun eingeschläfert?

Alle Medien berichten über die Corona-Krise. Doch in der Schweiz liest man diese Woche auch viel über ein anderes Thema: Die Tigerdame Irina tötet seine Pflegerin im Zürcher Zoo. Wie kam es dazu und wer trägt die Schuld? Bei der Diskussion des tödlichen Unglücks wird auch das Thema der Tiere in Gefangenschaft zum Thema.

Es passierte am Samstag dem 4. Juli 2020: Die 55-jährige Tierpflegerin, welche schon lange im Zoo Zürich arbeitete, wurde von der Tigerdame Irina angegriffen und verletzt. Die Pflegerin starb noch im Tiergehege. Irina lebt seit 2019 im Zürcher Zoo. Ein Schock. Doch wie konnte das passieren? Normalerweise sind die Tiger in einem Stall, wenn die Pflegepersonen in das Gehege gehen. Experten sagen, dass die Tigerdame wegen dem natürlichen Instinkt angegriffen hat. Das Gehege ist ihr zu Hause und die Pflegerin war ein Eindringling, eine Fremde. Sie wollte ihr Territorium verteidigen, weshalb sie vermutlich angriff.

Seit Jahren werden Zoos immer wieder kritisiert. Tiere gehören nicht in Gefangenschaft, sagen Tierschützer. Für sie gehört Irina in ihre gewohnte Umgebung. Gibt es jetzt nach dem Unfall keine Tiger mehr im Zoo?

Was haben Raubtiere im Zoo zu suchen?

Raubtiere faszinieren. Können wir sie im Zoo und aus der Nähe sehen, ist das spannend. Spannend auch, eben weil sie gefährlich sind. Bei Tieren in Gefangenschaft kommt es immer wieder zu Unfällen:

  • 1995 griff ein Elefant, ebenfalls im Zoo Zürich, einen Pfleger an. Damals hatten Pflegepersonen und Elefanten noch direkten Kontakt. Der Pfleger wurde schwer verletzt. Der Elefant wurde eingeschläfert – durch eine Spritze getötet. Heute arbeiten Pflegepersonen nicht mehr direkt mit den Elefanten zusammen.
  • Ende 2019 wurde ein Krokodil im Zoo Zürich eingeschläfert. Es biss in die Hand einer Pflegerin. Die Pflegerin war in der Nähe des Geheges mit dem Krokodil. Dieses schaffte es, durch das Gitter durch die Hand der Pflegerin zu fassen. Erst als das Tier eingeschläfert wurde, konnte sich die Pflegerin lösen.

Zwischen Pflegepersonen und wilden Tieren im Zoo kommt es oft zu Unfällen. Was haben diese grossen Tiere überhaupt im Zoo zu suchen? Das Gehege ist doch viel zu klein! Solche Diskussionen entstehen auch jetzt immer mehr. Auch wenn Grosskatzen faszinieren, gehören diese in die gewohnte Umgebung. Wer trägt also nun die Schuld für diesen Vorfall mit Irina? Wird auch sie eingeschläfert?

Irina the tiger exploring her enclosure at the Zurich zoo
Tambako The Jaguar
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CC BY-ND 2.0

Wo liegt die Schuld?

​Seit dem 5. Juli 2020, einen Tag nach dem tödlichen Unfall, ist klar: Irina wird nicht eingeschläfert. Sie kann im Zoo bleiben. Armurtiger – auch bekannt als sibirischer Tiger, zu denen auch Irina gehört – waren lange vom Aussterben bedroht. 1940 gab es praktisch keine mehr. Zoos wie der Zürcher Zoo versuchen durch die Aufnahme von solchen Tigern das Aussterben zu stoppen.

Es ist schön zu hören, dass Irina nicht getötet wird. Trotzdem bleibt die Frage offen, wie es zum Unfall kam. Der Zürcher Zoo achtet gut auf die Sicherheit. Die Vorkehrungen sind hoch. Doch Arbeitsunfälle gibt es trotzdem immer wieder. Anfang dieser Woche gab es erste Antworten: Es handelt sich vermutlich um einen Arbeitsunfall. Das heisst, das Tier kann nichts dafür. Deshalb soll es zu Recht auch nicht bestraft werden.

Auch wenn es interessant ist Raubtiere wie Irina von der Nähe zu sehen: Die Frage bleibt offen und wird wohl noch manchmal diskutiert – Gehören Raubtiere wirklich in den Zoo?

Nun bist du an der Reihe

Wie wirkt der Fokus der Woche auf dich? Was denkst du zum Thema? Was denken deine Freunde, deine Familie? Welche Gefühle kommen auf, welche Diskussionen entstehen? Sprich darüber - und melde dich doch auch bei uns. Entweder mit einem Kommentar in der Kommentarspalte, auf Facebook oder durch unser Kontaktformular. Wir freuen uns auf Rückmeldungen.

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