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Markus Spiske

Fincen Files – Ein Journalistennetzwerk deckt auf

12.10.2020
Seraina Branschi

“Statt in eine Armensiedlung, flossen Millionen in die Schweiz”, so der Titel eines Artikels der Zeitung Der Bund vom 20. September 2020. Es geht um das Datenleck Fincen Files. Es wurde Geldwäscherei betrieben. Ein Journalistennetzwerk deckt auf. Was heisst das nun genau? Und was ist das?

Sieht man sich die venezolanische Siedlung Colinas de San Francisco de Yare an, bleibt einem der Atem stehen. Die Personen leben dort in grosser Armut und haben kein sauberes Wasser. Eigentlich wurde vor Jahren der Siedlung Geld zugesprochen. Doch das Geld floss nicht zu diesen armen Menschen. Die sogenannten Fincen Files (Financial Crimes Enforcement Network) zeigen auf, dass eine sehr reiche Familie von dem Geld profitiert hat. Es handelt sich um Geldwäscherei. Das heisst, Geld wurde auf illegale Art und Weise beschaffen. Ein Netzwerk von Journalisten hat diese Dokumente veröffentlicht, welche eigentlich sehr geheim sind. Was bedeutet das nun?

Insignia of the US Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) featuring globe, eagle, shield, and silhouette of a bank, as well as binary digits
FinCEN

Grossbanken als Kriminelle?

Die Unterlagen zeigen, dass es grosse Lücken in der Bekämpfung der Geldwäscherei gibt. Viele Banken scheinen mit Kriminellen zusammenzuarbeiten. Die Banken unterliegen einer Verschwiegenheitspflicht, dem Bankgeheimnis. Das heisst, sie dürfen niemandem erzählen, wer bei der Bank sein Geld anlegt, wie viel das ist und wie es verdient worden ist. Die Fincen Files zeigen nun, dass es sich bei dem Geld um Geld von Kriminellen handelt. Die Dokumente decken auf, dass Grossbanken aus der ganzen Welt dabei mitgemacht haben. Das heisst, sie haben die Kriminalität begünstigt. Auch wenn die Banken dem Bankengeheimnis unterliegen, sind sie verpflichtet, offensichtlich Illegales zu melden. Wenn sie also merken, dass etwas mit dem Erwerb des Geldes nicht stimmt, müssen sie handeln. Dies wurde nicht gemacht.

Du selbst hast in den Medien vermutlich immer wieder von den Fincen Files gelesen oder gehört. Der Name stammt vom Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) der Bundesbehörde im Bereich des US-Finanzministeriums. Ihre Aufgabe ist es, die illegale Nutzung von Geld zu bekämpfen. Das heisst, es werden Daten gesammelt und analysiert, die mit Finanzen zu tun haben. Die jetzt erschienenen Fincen Files ist eine Sammlung von Dokumenten, die Geldwäsche Verdachtsfälle belegen.

Das Geld für die Armen geht an die Reichen

Die Siedlung in Venezuela ist nur eines von vielen Beispielen. In diesem Fall spielt auch die Schweiz eine Rolle. Der Verantwortliche für den Bau der Siedlung steckte eine grosse Summe des Geldes in seine eigene Tasche. Und dies auf sein Bankkonto in der Schweiz. Gemäss den jetzt erschienenen Fincen Files sind die Verträge für das Bauprojekt voller Lücken. Der Name des Bauherrn ist schon länger bekannt. Die Familie verdient sehr viel Geld, aber es ist unklar, wo es herkommt. Genau das ist ein gutes Beispiel für Geldwäscherei, man weiss nicht, woher das Geld stammt. In den Fincen Files ist auch die Rede von Semjon Mogilewitsch, ein reicher und einflussreicher Russe. Er hat durch seinen Reichtum sehr viel Macht zur Mitbestimmung in Russland. Ihm werden unter anderem Waffenhandel und Menschenhandel vorgeworfen. Auch er hat Geld in der Schweiz angelegt. Die Schweiz ist sehr attraktiv für die Geldwäscherei. Anders als in anderen Ländern ist das Bankgeheimnis hier stark geschützt.

Wieviel Geld in welchen Ländern als illegal gilt, wieviele Reiche vom Geld für Arme profitiert haben, wissen wir auch nach den veröffentlichten Fincen Files nicht. Dennoch ist die Veröffentlichung der Dokumente ein Schritt in die Richtung der Bekämpfung von Geldwäscherei.

Arbeitsmaterial

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