Das Bild zeigt eine Frau in farbengepulverten Kleidern
Shubham Bochiwal

Holi - der farbenfrohe Frühlingsanfang

30.03.2021
Samira Lussi

Vom 28. bis am 29. März 2021 feierten Hindu-Gemeinschaften der ganzen Welt eines der wichtigsten Ereignisse in ihrem Kulturkalender: das Holi Fest. Auch bekannt als das Festival der Farben, wird das Holi zur Feier des Frühlingsanfangs vom indischen Subkontinent bis nach Australien, Europa und Amerikabegangen.

Holi, ursprünglich unter dem Namen Holika bekannt, ist ein altes Fest aus dem Hinduismus. Es ist eines der wichtigsten kulturellen Ereignisse Indiens und feiert den Neustart der Natur, den Sieg des Guten über das Böse und die Liebe des Gottes Krishna zu den Menschen. Eine der bekanntesten Legenden über das Holi Fest ist die des Dämonenkönigs Hiranyakashyap. Er forderte alle im Königreich auf ihn anzubeten. Doch sein eigener Sohn Prahald betete Lord Vishnu an. Dies erzürnte seinen Vater sehr, weshalb er seine Schwester Holika um Hilfe bat, seinen Sohn zu töten. Sie war im Besitz spezieller Kleider, die als Schutz vor Feuer dienten. Hiranyakashyap bat sie, sich mit Prahlad auf dem Schoss in ein Lagerfeuer zu setzen. Als das Feuer tobte, flog jedoch das Gewand von Holika weg und bedeckte Prahlad. Holika verbrannte und Prahlad kam unversehrt aus dem Feuer heraus. Seit dieser Zeit entzünden die Menschen am Vorabend des Holi Festes ein Lagerfeuer und feiern so den Sieg des Guten über das Böse.

Programm

Das Holi Fest wird am Vollmondtag des Monats Phalgun, Ende Februar bis März, gefeiert. In der Regel dauern die Feierlichkeiten zwei Tage. Am späten Abend des ersten Tages werden Feuer entzündet. Am zweiten Tag begiessen Menschen einander mit Wasser und bewerfen sich gegenseitig mit farbigem Pulver, in manchen Dörfern aber auch mit Erde und Kuhmist. Dabei sind an diesem Tag die sozialen Schranken, die durch das Kastensystem gegeben sind, aufgehoben. Alle sind gleichberechtigt und feiern zusammen. Am Nachmittag ist es Zeit, sich vor dem Festmahl zu waschen, neue Kleidung anzuziehen und Verwandte und Freunde zu besuchen. Familienmitglieder schenken sich neue Kleidungsstücke und alle übergeben einander Süssigkeiten. Die Holi-Spezialität Gujiya, ein süsses, frittiertes Gebäck gefüllt mit einem Mix aus Milch, getrockneten Früchten und Ghee, ist dabei besonders beliebt.

Sei bunt, sei frei!

Das Holi Fest wird mittlerweile nicht nur in Indien gefeiert. Seit 2012 finden in der ganzen Welt riesige Musikfestivals mit dem Motto “Holi Festival der Farben” statt. Den ganzen Tag legen DJs Musik auf und kündigen Farbencountdowns an, woraufhin alle eine Handvoll Farbpulver in die Luft werfen. Auch wenn diese Festivals verlockend klingen, sollte man dabei die kulturelle Bedeutung und die Tradition dahinter nicht vergessen. Denn hier handelt es sich um eine kulturelle Aneignung, oder um die Adaption eines Bestandteils einer anderen Kultur. Dabei übernimmt die dominante, westliche Kultur Eigenschaften einer benachteiligten, unterdrückten Kultur. So kann eine westliche Person, die sich am Holi mit einem Bindi (Punkt auf der Stirn) oder Henna bemalt, Menschen, die der Hinduistischen Kultur angehören, verletzen. Dieses Thema wird aktuell immer wieder diskutiert und trotzdem gibt es keine Universallösung. Wichtig ist jedoch, dass die Übernahme von fremden kulturellen Elementen nicht als selbstverständlich hingenommen wird und die Teilnehmenden sich über die Auswirkungen ihres Handelns auf den betreffenden Kulturkreis bewusst sind.

Arbeitsmaterial

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