Eher salzig oder süss? Nicht überall ist der in der Schweiz bekannte Käsekuchen auch wirklich salzig.
Timothy Muza

Käsekuchen ist nicht gleich Käsekuchen – über Unterschiede im Gebrauch der deutschen Standardprache

19.01.2021
Désirée Scheidegger

Stell dir vor: Du bist zu einem Apéro im Freundeskreis eingeladen. Du bringst einen „Käsekuchen“ mit. Auch Heike aus Norddeutschland sagt, dass sie einen „Käsekuchen“ dabei hat. Als ihr euer Gebäck auspackt, stellt ihr fest, dass die beiden „Käsekuchen“ etwas völlig anderes sind, obwohl sie doch genau gleich heissen. Wie kann das sein?

Im Laufe der Zeit haben sich im deutschsprachigen Raum Unterschiede im Gebrauch der Sprache entwickelt. Obwohl sowohl in Deutschland, in Österreich als auch in der Schweiz die deutsche Standardsprache gebraucht wird, so kommt es manchmal zu Missverständnissen, weil ein Wort je nach Region eine ganz andere Bedeutung hat: In der Schweiz ist ein „Käsekuchen“ eine salzige Wähe mit geriebenem Käse, Milch und Eiern. In Norddeutschland und in Österreich hingegen ist der „Käsekuchen“ ein süsses Dessert-Gebäck mit Quark. Aber nicht nur in der Bedeutung der Wörter gibt es Unterschiede je nach Region, sondern auch auf anderen Ebenen der Sprache wie Aussprache, Rechtschreibung oder Grammatik.

Standardsprache und Dialekte

Um das Ganze noch ein bisschen komplizierter zu machen, gibt es im Deutschen jedoch nicht nur Unterschiede im Gebrauch der Standardsprache (Hochdeutsch), sondern es gibt ausserdem sehr viele verschiedene Dialekte (Mundarten). Standardsprache oder Dialekt? Je nach Gegebenheit wird die eine oder andere Sprache gebraucht: Der Dialekt wird in privaten Alltagssituationen und im Familien- und Freundeskreis verwendet und ist eher mündlich, während die Standardsprache in geschäftlichen Situationen wie Schule und Ausbildung gebraucht wird oder beim Verfassen offizieller Briefe. In der Schweiz gibt es die schweizerdeutsche Standardsprache (Schweizerhochdeutsch) und sehr viele Schweizer Dialekte (Schweizerdeutsch, z.B. Berndeutsch, Walliserdeutsch, Zürichdeutsch).

Besonderheiten des Schweizerhochdeutschen

Wer die korrekte Rechtschreibung, die Grammatik oder die Anwendung eines Wortes kennen möchte, schaut z.B. im Duden nach. Was viele nicht wissen, ist jedoch, dass es extra eine Ausgabe für das Schweizerhochdeutsch gibt. Diese Ausgabe eignet sich, um nachzuschauen, welche Wörter als Besonderheiten für den Gebrauch der Standardsprache in der Schweiz gelten, also welche Wörter typisch schweizerisch sind oder auch, um herauszufinden, ob ein Wort überhaupt zur Standardsprache gehört oder zum Dialekt.
Wer sich für das Wörterbuch interessiert, findet hier die Angaben: Bickel, H., & Landolt, C. (2012): Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. Dudenverlag. Die Besonderheiten des Schweizerhochdeutschen werden übrigens Helvetismen genannt.

Zum Abschluss nun noch ein paar Beispiele für Helvetismen:

· Es jagt mir den Nuggi raus
· Kartoffelstock (statt Kartoffelbrei)
· Pressieren (statt beeilen)
· Znacht (statt Abendessen)
· Abfallsack (statt Müllbeutel)
· Weggli (statt Brötchen)
· Apéro
· Süss (Doppel-s statt ß)

Welchen „Käsekuchen“ hättest du jetzt gerade lieber, den süssen oder den salzigen? Hast du selbst auch schon einmal so ein Missverständnis wie das mit dem „Käsekuchen“ erlebt? Merkst du beim Sprechen oder Schreiben, welche Wörter typisch schweizerisch sind, oder fällt dir das gar nicht auf? Findest du es wichtig, dass die Unterschiede der deutschen Standardsprache in der Schule thematisiert werden oder ist es dir eher egal?

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