Das Bild zeigt die Flagge von Kolumbien
Flavia Carpio

Proteste in Kolumbien

18.05.2021
Kathrin Hausammann

Seit mehreren Wochen demonstrieren die Menschen in Kolumbien. Sie äussern ihren Frust und ihre Wut gegenüber der Regierung und deren Massnahmen. Diese gingen stets auf Kosten der Bevölkerung. Die Wirtschaft würde davon nicht viel spüren. Und das ausgerechnet jetzt, wo die Bevölkerung auch noch unter der Coronapandemie zu leiden hat.

Vor allem junge Menschen sagen: „Jetzt ist genug!“ Die zuletzt angekündigten Änderungen bei den Steuern (Steuerreform) hätten vor allem die Mittelschicht und die ärmeren Kolumbianerinnen und Kolumbianer getroffen. Sie hätten höhere Steuern zahlen müssen. Und das gerade jetzt, wo die Coronapandemie Land und Leute fest im Griff hat – die Infektionszahlen sind so hoch wie noch nie. Für Unternehmen und Banken hätte sich mit der Steuerreform nicht viel geändert. Das wollten sich die Menschen nicht mehr gefallen lassen und gingen Ende April auf die Strasse. Im ganzen Land fanden seither Kundgebungen statt.

Gegen Gewalt

Die Steuerreform ist inzwischen vom Tisch, aber die Kundgebungen gehen weiter. Sie verlaufen meistens friedlich. Doch es kommt auch zu Ausschreitungen. Kriminelle nutzen die unübersichtliche Situation aus. Sie plündern Läden und zerstören Bushaltestellen oder Polizeistationen. Deshalb greift die Polizei zuweilen hart bis brutal durch. Was wiederum bei den friedlich demonstrierenden Menschen dazu führt, dass sie ihre Proteste nun auch gegen die Polizeigewalt und das Verhalten der Regierung im Allgemeinen richten.

Für die Bevölkerung

Kolumbien hat nebst der geplanten Steuerreform auch andere Neuerungen eingeführt, welche negative Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Menschen haben könnten. So würden sich die Gesundheitsversorgung oder die Arbeitsbedingungen verschlechtern. Und das alles, obwohl das Land schon vor der Coronapandemie grosse Schwierigkeiten hatte – wie viele andere Länder in Südamerika leider auch. Viele Menschen waren schon vor Corona arm, hatten wenig oder gar keine Arbeit. Dazu kamen die Schwierigkeiten mit Drogenbanden und die immer noch spürbaren Folgen des jahrelangen Bürgerkriegs. Das alles schien die Regierung bisher wenig zu interessieren.

Wie geht es weiter?

Doch mittlerweile steigt der Druck auf die Regierung, etwas zu unternehmen. Nationale und internationale Organisationen fordern, dass die Menschen friedlich demonstrieren dürfen, dass keine Gewalt mehr gegen sie angewendet wird. Der Regierungspräsident hat nun Gespräche aufgenommen mit Verantwortlichen der Proteste. Die Regierung sei gewillt, gemeinsam Lösungen zu finden. Wie diese aussehen könnten, ist jedoch unklar. Denn mittlerweile sind die demonstrierenden Gruppen so vielfältig und ihre Forderungen so unterschiedlich, dass es noch länger dauern könnte, bis wieder Ruhe einkehrt.

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