Anhänger von QAnon demonstrieren für Ihre Überzeugung.
Ehimetalor Akhere Unuabona

Rassismusserie Teil 1 – QAnon: Die Verschwörungs-Fanatiker aus dem Internet

10.11.2020
Georg Stalder

Vor drei Jahren postete ein anonymer User in einem Internet-Forum abstruse Behauptungen über eine geheime Weltregierung im Untergrund. Mittlerweile ist daraus die radikale Bewegung QAnon entstanden.

Politiker und Schauspieler aus Hollywood würden Kinder entführen und töten um sie zu essen. Denn das Blut der Kinder wirke verjüngend. Diese Idee ist abstrus – aber sie hat offenbar eine unheimliche Anziehungskraft für bestimmte Menschen. Auf der ganzen Welt glauben immer mehr Leute an die wirren Theorien von «QAnon».

QAnon (ausgesprochen: «Q Anon») ist eine radikale Bewegung aus den USA. Begonnen hat sie auf einer Internet-Plattform, die bekannt ist für ihre rassistischen und extremen Beiträge. Ein User postete 2017 unter dem Pseudonym «Q» angeblich geheime Informationen. Er behauptete: «Die Welt wird heimlich von einer Gruppe aus dem Untergrund regiert. Diese entführt auch Kinder, um sie zu foltern und zu essen». Andere Mitglieder im Forum begannen darüber zu diskutieren und verbreiteten die Theorie auf anderen Kanälen, zum Beispiel Facebook und YouTube. Hier erreichte sie schnell Tausende von Leuten.

Die Bewegung wächst rasant

In den USA ist in nur drei Jahren eine grosse Gruppe von Fanatikern entstanden. Experten schätzen, dass inzwischen 5 bis 6 Prozent der amerikanischen Bevölkerung an eine geheime Weltregierung glauben. Das sind 15 bis 20 Millionen Menschen. Der amerikanische Geheimdienst FBI betrachtet die Bewegung als «terroristische Bedrohung».

Bereits mehrfach haben Anhänger von QAnon Morde begangen – auch in Europa. Im Februar 2020 tötete ein Rechtsextremist in Hanau in Deutschland zehn Menschen. Vor der Tat nahm er ein Video auf, in dem er von den wirren Theorien sprach. In der Schweiz wächst die Bewegung ebenfalls. An den Protesten gegen die Corona-Massnahmen waren bereits Menschen mit Plakaten und T-Shirts mit dem Buchstaben «Q» zu sehen – dem Logo der Bewegung.

Gefährliche Echokammer

Die Anhängerinnen und Anhänger von QAnon tauschen sich hauptsächlich übers Internet aus. Beliebt dafür ist die Chat-App «Telegramm». Die Mitglieder unterhalten sich in grossen Gruppenchats. Das Problem: Alle Mitglieder haben die gleiche Meinung. Der Austausch ist sehr einseitig. Man nennt solche geschlossenen Räume auch «Echokammern». Wie bei einem Echo wird eine Meinung dauernd wiederholt. Die Mitglieder und ihre Forderungen werden immer radikaler.

Rassismus-Serie

Die Chinderzytig befasst sich in einer Artikel-Serie mit extremen Gruppierungen in den USA. Den Anfang macht die Verschwörungs-Gruppe QAnon. Es folgen Artikel über den Ku-Klux-Klan und die «Proud Boys».

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