Sklavenhandel in der Schweiz

23.08.2022
Anna Deppeler
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Heute findet weltweit der internationale Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung statt. Die Sklaverei scheint heute unvorstellbar. Menschen wurden wie Ware behandelt: Sie wurden angekettet, verschifft und verkauft. Wie entstand die Sklaverei? Wann wurde der Sklavenhandel abgeschafft und gab es in der Schweiz auch Sklaven und Sklavinnen?

Das Wichtigste in Kürze

Wenn es einfach schnell gehen soll, dann findest du in diesem Kasten die Hauptaussagen des Artikels:

  • Der Gedenktag zum Sklavenhandel findet jährlich am 23. August statt und wurde von der UNESCO eingeführt.
  • Zur Zeit des Kolonialismus herrschte ein Land über ein anderes Volk und konnte dessen Rohstoffe verkaufen und Menschen versklaven.
  • Seit dem 16. Jahrhundert wurden Menschen aus Afrika, Asien, Amerika oder Ozeanien im Sklavenhandel fast 400 Jahre lang wie Ware behandelt: Sie wurden verschifft und verkauft. Viele Sklav*innen starben, weil sie hart arbeiten mussten und schlecht behandelt wurden.
  • Wegen den Menschenrechten ist die Sklaverei heute verboten. Es gibt aber immer noch Menschen, die hart arbeiten müssen und schlecht behandelt werden, wie die Sklav*innen früher.
  • Die Schweiz hatte zwar keine Sklav*innen, war am Sklavenhandel aber beteiligt. Sie besass Sklavenplantagen im Ausland oder zahlte Geld für den Sklaventransport.

Der internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an dessen Abschaffung ist ein Gedenktag, der im Jahr 1998 von der UNESCO erklärt wurde. Die UNESCO ist eine Organisation der Vereinten Nationen. Sie bestimmte dieses Datum für den Gedenktag, weil am 23. August im Jahr 1791 die Sklav*innen vom heutigen Haiti einen Aufstand machten und als erstes Kolonialland unabhängig wurden.

Sklaverei früher und heute

Schon im Altertum, in der Zeit der alten Griechen, Ägypter und Römer gab es die Sklaverei. Als sich im 16. Jahrhundert der Kolonialismus entwickelte, begann auch der Sklavenhandel. Beim Kolonialismus herrschte ein Land über ein Volk einer anderen Kultur, weil sie ihr eigenes Land vergrössern oder die Rohstoffe des anderen Landes wie z.B. Gold, Silber oder Baumwolle gewinnen wollten. Besonders die europäischen Länder Spanien, Portugal, Niederlande, England oder Frankreich haben lange Zeit über Gebiete in Amerika, Asien, Ozeanien und vor allem Afrika geherrscht.

Im sogenannten Dreieckshandel fuhren sie mit Schiffen zu ihren Kolonien, um dort Waren gegen Sklavinnen einzutauschen. Diese wurden verschifft und verkauft. Es wird geschätzt, dass während des Kolonialismus zehn bis fünfzehn Millionen Menschen versklavt wurden. Die Sklavinnen hatten keine eigenen Rechte und wurden wie Ware behandelt. Sie mussten harte Arbeit verrichten, wurden geschlagen oder gefoltert und verdienten kein Geld. Wenn eine Sklavin ein Kind zur Welt brachte, war dieses automatisch auch unfrei Viele Sklav*innen starben auf den überfüllten Schiffen bei der Überfahrt nach Amerika oder bei der schweren Arbeit auf den Plantagen. Der Sklavenhandel dauerte fast 400 Jahre lang und endete erst nach dem 2. Weltkrieg, als sich die Kolonien nach und nach ihre Freiheit zurückerkämpfen konnten und erste Verbote zur Sklaverei gemacht wurden.

Obwohl die Sklaverei heute durch die Menschenrechte überall auf der Welt verboten ist, gibt es immer noch Menschen die wie Sklaven behandelt werden. Diese sind zwar nicht wie früher das Eigentum einer anderen Person, sie werden aber sehr schlecht behandelt und müssen Zwangsarbeit verrichten. Das heisst, sie werden zur Arbeit gezwungen und verdienen nur sehr wenig Geld.

Sklavenhandel in der Schweiz

Die Schweiz hatte keine Kolonien, sie war also nie eine Kolonialmacht und hatte auch keine eigenen Sklavinnen. Trotzdem war sie im Sklavenhandel nicht ganz unschuldig. Schätzungsweise war die Schweiz für die Verschleppung von 180‘000 Sklavinnen verantwortlich.

Es gab Schweizer Sklavenhalter, die Sklavenplantagen im Ausland besassen und so viel Geld machten. Ausserdem wurde im 18. Jahrhundert von einigen Schweizerinnnen Geld für die Sklaventransporte aus Afrika bezahlt. Schweizer Unternehmen und Familien verdienten ihr Geld auch, indem sie im Dreieckshandel tätig waren. So wurden Schweizer Produkte wie z.B. Textilien nach Afrika verschifft und gegen Sklavinnen getauscht.

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