Das Bild zeigt das Toiletten-Zeichen von Frau und Mann
Tim Mossholder

Vom Mann zum Stern: Eine Annäherung ans Gendern

7.09.2021
Lars Ziörjen

Früher war fast alles männlich. Der Lehrer unterrichtete, der Pfarrer predigte und der Bundesrat politisierte. Böse gesagt: der Mann arbeitete und entschied, die Frau war akzeptiert. Und andere Geschlechter gab es gar nicht erst. Heute befinden wir uns in einem anderen Zeitalter. Auch die Sprache passt sich an. Es wird gegendert (sprich: getschendert). Doch, wozu das alles?

In der Schweiz dürfen Frauen seit 1971 abstimmen und wählen. Als eines der letzten europäischen Länder hat die (männliche) Schweiz den Frauen ihre Rechte zugestanden. Die beiden Geschlechter wurden zum Glück „gleicher“ gemacht. Doch, es gibt nicht nur den einen Mann und die eine Frau. Es gibt viel mehr. Diese Vielfalt der Geschlechter wird heute unter dem Begriff “Gender” zusammengebracht. Gender fasst zusammen, wo sich ein Mensch in der Gesellschaft sieht: sowohl, was das biologische Geschlecht angeht, als auch, was die Rechte, Abgrenzung, Liebe und Situation in der Gesellschaft betrifft.

Zu kompliziert? Gender versucht die Frage zu beantworten, welches natürliche und soziale Geschlecht jemand hat. Wann ist ein Mann ein Mann? Wann eine Frau eine Frau? Und welchen Platz in der Gesellschaft darf der Mensch haben? Diesen Fragen nimmt sich das Gendern an.

Auch die Sprache blieb eine gefühlte Ewigkeit rein männlich. Dass sich die Sprache nun anpasst, ist nur fair.

Sternchen oder Doppelpunkt?

In der Sprache wird munter gegendert. Ihr habt das sicher auch schon gesehen: “KollegIn, Freund*in, Lehrer:in, Polizist/-in, Bäcker_in”. Wichtig ist, dass alle Lesenden angesprochen werden. Egal, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen.

Welche Schreibweise verwendet werden soll, ist noch nicht klar. Der Bundesrat lehnte es kürzlich ab, ein Zeichen zu benützen und empfiehlt die neutrale Schreibweise: Lehrpersonen, Lernende. Dies unterstützen auch wir von der Chinderzytig. Andere Zeitungen setzen entweder auf den Stern oder den Doppelpunkt. Genau wie die Geschlechter sind also auch die Schreibweisen vielfältig. Entscheidend ist, dass man daran denkt und auf alle Rücksicht nimmt. Ein wichtiger Punkt in der Gesellschaft.

Die vielfältige Vielfalt

Heute ist es zum Teil schwierig, einen Überblick über die Vielfalt der Geschlechter zu behalten. Es gibt so viele unterschiedliche Bezeichnungen: Frau, Mann, Transgender, Bigender, Cisgender, LGBTIQ+… Diese Begriffe beziehen sich auf das Geschlecht und/oder auf die sexuelle Orientierung. Die Behandlung der Menschen ist dabei nicht immer gleich fair.

Kurz gesagt: Das Thema Gender hilft, einen gerechten Umgang mit dieser Vielfalt zu erlangen. Und auch Menschen, die noch zu fest im Mann-Frau-Denken feststecken, zu informieren, dass es mehr gibt. Die Anpassung der Sprache und das Gendern als Ganzes sind absolut sinnvoll und wichtig.

Am Ende gilt doch einfach: “Mini Farb u dini, das git zäme zwe. Wäres drü, vier, füf, sächs, sibe, wo gärn wette zämeblybe, gits e Rägeboge, wo sich laht la gseh.” Schön, dass es so viele unterschiedliche Menschen gibt, die alle anders und doch irgendwie gleich sind.

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